Zwischen Maßkrug und Martinigläschen liegen Welten. Und das nicht nur weil man die Olive aus Letzterem besser herausfingern kann. Oliven sind allerdings die kleinste Herausforderung für gewöhnliche Bar-Besucher zwischen Zapfanlage, Pissoir und Barhockern. Frank Kelly Rich hat jetzt endlich schonungslos aufgeschrieben was schon lange nötig war: Ein Handbuch für den modernen Trinker.
Es könnte so einfach sein, nach Feierabend oder am Wochenende. In die Bar gehen, ein Getränk bestellen und dann das Nächste, das Nächste, einen Schnaps für dazwischen und dann wieder einen neuen Drink. Ganz so einfach wie in der Kneipentheorie ist es allerdings leider nicht immer, denn jeder Barkeeper tickt anders, jeder Drink dreht unterschiedlich ganz zu schweigen von gewissen Normen, die beim gediegenen Besäufnis beachtet werden wollen - sei es um drohenden Ärger abzuwenden oder einfach nur um sein Pils in der gebotenen Würde zu trinken. “Säufer trinken keine Alkopops” heißt dementsprechend auch das erste Kapitel in Franke Kelly Richs Trinkerhandbuch und konsequent praktisch geht es auch gleich zur Sache mit den 77 elementarsten Säuferregeln, Nummer 41: Männer trinken nicht mit Strohhalmen!
Anzeige Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den heiligen Hallen des Alkoholkonsums: Bars, Kneipen und Kaschemen. In psychologischer Klein- und Kleinstarbeit werden die verschiedenen Barkeeper-Typen analysiert und ihre Eigenheiten dargestellt. Klar, dass dabei auch gute Tipps für die Zecher abfallen: An welchen Signalen erkennt man welchen Barkeepertyp und fast noch wichtiger: Wie viel Trinkgeld muss man geben um auch nach der Sperrstunde noch weitertrinken zu dürfen.
Wenn trotz der psychologischen Trickkiste die Kneipe zur Sperrstunde dichtmacht bleibt nur noch der Weg zur Tankstelle oder auf die nächste Privatparty. Und auch hier weiß “Die feine Art des Saufens Rat”. Von der Einkaufsliste für die eigene Party - von Standard bis Premiumfeier - bis hin zu Konversationsstrategien und Türöffnersätzchen um sich auf fremden Partys zünftig einen hinter die Binde gießen zu können. Frank Kelly Rich bleibt seinen Lesern keine Antwort schuldig. Und dass ist auch gut so, denn spätestens im Kapitel über die tiefe spirituelle Wirkung eines Solo-Besäufnisses muss man dem Autor vertrauen, sich einlassen auf den von ihm beschrieben erleuchtenden Weg, den inneren Affen mit ein paar herzhaften Scotch freizulassen. Danach ist man aber bereit, bereit für die ultimative Sauftour, auf der man von der universellen Trinkerfiebel selbstredend auch tatkräftig unterstützt wird.
Zum Abschluss beschäftigt sich das Buch mit der Geschichte des Alkohols und vereinigt somit den Biertrinker mit der großen Geschichte. Ein Prosit auf den Weltfrieden und einen Toast auf das spritzige und erfrischende Trinkerhandbuch aus dem Tropen Verlag. Respektlos und zupackend offen mit teilweise herrlich skurrilem, Humor bereitet das Buch die Leserschaft auf alle, aber wirklich alle Situationen rund um das Trinken vor. Nur nicht auf den eventuellen Kater danach - aber daran denkt Frank Kelly Rich voller Lebenslust keine Sekunde und überlässt ihn fröhlich den Fängen von Sittenwächtern und Entziehungskliniken.