London 1892 – der Wahlkampf steht bevor. An allen Ecken und Enden brodelt es, denn Armut und soziale Ungerechtigkeit peitschen die Menge auf. In diesem Klima der Unruhe muss Inspektor Pitt den Mord an einem stadtbekannten Medium aufklären. Es wäre reine Routine, wenn nicht die Frau eines der kandidierenden Labour-Abgeordneten kurz vor dem Tod bei der Frau gesehen worden wäre. Und diesen Skandal kann die Partei sich nicht leisten.
Der Zweikampf zwischen Inspektor Pitt und dem mittlerweile geadelten Verschwörer Charles Voisey, dessen verräterische Machenschaften Pitt bereits in Die Verschwörung von Whitechapel verhindern konnte, geht in die zweite Runde. Diesmal kandidiert der aalglatte Voisey als Abgeordneter für die Konservativen gegen den idealistischen Aubrey Serracold.
Dem Sicherheitsdienst, dem der ehemalige Inspektor Thomas Pitt inzwischen angehört, liegt viel daran, dass Voisey eine Schlappe erleidet, darum darf es unter keinen Umständen bekannt werden, dass Aubreys Frau Rose Kundin eines stadtbekannten Mediums war. Als dieses ermordet wird, gerät Rose sondern auch ihr Mann in schwere Bedrängnis.
Ihre einzige Hoffnung ist Pitt, der zusammen mit seinem ehemaligen Untergebenen Tellmann einen Unbekannten sucht, der neben Rose und einem englischen Offizier zu den letzten Kunden des Mediums gehörte. Die Spur führt aufs Land in das Haus eines alten Geistlichen, der kürzlich seine Frau verloren hat. Pitt ahnt nicht, dass er drauf und dran ist, in eine ausgeklügelte Falle zu tappen.
Feinde der Krone ist der zweite Roman, der sich mit Inspektor Pitts Karriere beim Sicherheitsdienst beschäftigt. Obwohl direkt Bezug auf Handlungselemente des Vorgängerromans, Die Verschwörung von Whitechapel genommen wird, ist die Geschichte doch in sich geschlossen und ohne Vorkenntnisse verständlich. Die Stimmung allerdings ist ähnlich düster wie in dem Vorgänger. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, die politische Stimmung zur Jahrhundertwende darzustellen und anhand verschiedener Vertreter plastisch vorzuführen.
So kommt es, dass der Roman erst in der zweiten Hälfte an Tempo zulegt. Die Verwicklungen gewinnen an Komplexität, und auch die Charakterzeichnung der Figuren löst sich aus dem Schablonenhaften des Anfangs. Der etwas starrsinnige Tellmann und Pitts neuer Chef Victor Narraway runden das Geschehen ebenso ab wie Emily, die diesmal anstelle ihrer Schwester Charlotte Pitts Untersuchungen unterstützt.
Insgesamt erfüllt Feinde der Krone wieder alle Erwartungen an das Genre und bestätigt die bekannte Haltung der Autorin. Faszinierende Schurken sind ihre Sache nicht, ebenso wenig wie das Hinterfragen moralischer Werte. Ihre Figuren bewegen sich nach strengen Vorgaben, die nur vereinzelt Grautöne zulassen. Dafür begeistert Perry ihre Leser wieder durch raffiniert aufgebaute Handlungsstränge und fundierte Recherche.