Vor zehn Jahren erschien Hans-Magnus Enzensbergers vielgelobtes Buch „Der Zahlenteufel“, das mit einfachen Metaphern und Bildern selbst mathematische Sachverhalte für Kinder und erwachsene Mathematik-Laien verständlich erklärte. „So etwas müsste es auch für die Programmierung geben“, sagte sich der Autor mit dem Künstlernamen „Fibelkorn“, und schrieb prompt „Das schwarze Buch der Programmierung“.
Darin geht es um die Programmierung im Allgemeinen und um die Programmiersprache C++ im Besonderen – und diese Dinge haben viele meiner Bekannten schon schlaflose Nächte und Albträume von falsch verschobenen Zeigern gebracht, denn C++ zu lernen, ist für die meisten Menschen kein Spaß. So wie Mathematik eben auch – weswegen die Idee des Autors, ein dem „Zahlenteufel“ vergleichbares Buch zu schreiben, nicht ganz abwegig ist.
„Die schwarze Kunst der Programmierung“, so das hehre Ziel, soll anders sein als all die anderen Programmierbücher.Es fängt daher auch nicht mit dem obligatorischen „Hallo Welt“-Beispiel an, sondern erzählt die Geschichte eines Managers, der programmieren lernen soll, und dem ein kleines Männchen erscheint, das es ihm genau das beibringt – der Zahlenteufel lässt grüßen. Sondern es wird mit Variablen eingestiegen, mit Deklarationen, Zuweisungen und Datentypen, die man sich, so das Buch, am Besten als verschiedene Legosteine vorstellen soll. Der Manager-Protagonist ist verwirrt.
Anzeige Nun bin ich ein schlechter Proband für dieses Buch, da ich zu der Minderheit derjenigen Menschen gehöre, die C++ bereits gelernt haben. Dennoch glaube ich: an dieser Stelle wird der durchschnittliche Leser, der dieses Buch zum Lernen zur Hand nehmen will, genauso verwirrt sein wie der Protagonist. Bei den endlosen Ausführungen über verschiedene Legosteine, über die Möglichkeit, selbst eigene Datentypen und Strukturen zu definieren, bei haarsträubenden Zigaretten- und Portemonnaie-Analogien verirrt sich der Leser schnell im Dickicht der Metaphern, die so ausufernd angelegt sind, dass man das, um was es eigentlich geht – die Programmiersprache – schnell aus den Augen zu verlieren droht.
Am Ende hat man jede Menge Legosteine, Geldbörsen und Münzorakel gesehen – aber kann man davon programmieren? Selbst, wenn man trotz der Verwirrung eine ungefähre Vorstellung von Datentypen, Schleifen und Methoden gewonnen haben sollte, bleibt das Buch zu sehr an der Oberfläche, um den Leser an die eigentlich schwierige Frage der Programmierung heranzuführen, nämlich, wie man ein Programm schreibt, um ein bestimmtes Problem zu lösen.
Nun gibt es eine Menge Bücher über Programmierung, die unwahrscheinlich ungeeignet dazu sind, programmieren zu lernen – insofern wäre es unfair, das vorliegende Exemplar genau deswegen aus dieser Masse herauszuheben. Doch der Anspruch des Autors, ein unterhaltsames Buch zu schreiben, das ganz en passant in die Programmierung einführt (besonders unterhaltsam ist das Buch nämlich auch nicht), ist gescheitert. Ein würdiges Pendant zum Zahlenteufel, ein echter „Programmierteufel“ in Enzensberger-Qualität, steht damit also noch aus.