Zum siebten Mal war das Literaturfest Lit.cologne in Köln ein voller Erfolg
Leser aus allen Orten pilgerten in den letzten elf Tagen in die Domstadt am Rhein, um an den rund 140 Veranstaltungen der Lit.COLOGNE teilzunehmen. Die Besucherzahl war überwältigend: mit mehr als 60.000 Menschen wurde sogar der Besucherrekord vom Vorjahr gebrochen, damals waren es 56.000.
Es ist schon phantastisch, dass Köln trotz der erst kürzlich stattgefundenen Karnevalsschunkeleien und dem sportlichen Misserfolgen des FC wieder ein so gut organisiertes Literaturfest auf die Beine gestellt hat. Die positive Resonanz der Leser liegt aber wohl weniger an Kölns Lebensfreude oder dem Kölschbier, sondern vielmehr an dem großartigen Programm, das Nachwuchsschriftsteller und viele berühmte Autoren lesen lässt: so waren u.a. die Bestsellerautoren Henning Mankell, Donna Leon und Jonathan Franzen mit dabei.
Anzeige Doch nicht nur die großen Namen lockten das Publikum, auch die ungewöhnlichen Veranstaltungsorte: In der Kirche, im Kino, im Polizeipräsidium wurde genauso gelesen wie im Schauspielhaus. Ein Highlight ist außerdem das Literaturschiff, das während der Lesungen über den Rhein schippert.
Wer nun denkt, eine Literaturveranstaltung müsse immer ein reines Vorlesen sein, liegt aber völlig falsch. Auch Themenabende mit Autoren, Künstlern und Freunden der Literatur gehörten zu den Höhepunkten. So z.B. der Abend mit Roger Willemsen und Dieter Hildebrandt über die "Weltgeschichte der Lügen", der aufgrund der großen Nachfrage gleich zweimal stattfand. Das "Russische Tagebuch" der Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Anna Politkovskaja, die im Oktober 2006 ermordet wurde, war Anlass für eine Diskussionsrunde über Russland. Bestsellerautor Frank Schätzing schloss sich mit Kollegin Katja Lange-Müller, Sternekoch Vincent Klink und Literaturredakteur Denis Scheck zum kulinarischen Quartett zusammen, um sich über das Thema "Geschmack" auszutauschen.
Die Lit.COLOGNE bewegt sich mit ihren Veranstaltungen zwischen Ernst und Komik. Mohsin Hamids Roman "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" über einen Pakistani in den USA, dessen Leben sich mit dem 11. September schlagartig ändert, steht auf dem Programm. Aber auch Helge Schneider stellt seine literarische Seite vor, Hape Kerkeling schlüpft gleich in alle Rollen seines Buches "Ein Mann, ein Fjord" und Cordula Stratmann diskutiert über das Phänomen der Hypochondrie. Anspruch und Unterhaltung sind das Erfolgsgeheimnis der Lit.COLOGNE. Literatur muss nicht immer elitär sein. Genau das ist das Schöne an diesem Literaturfest. Hier wird Literatur nicht nur ausgestellt wie auf der Frankfurter oder Leipziger Messe, hier wird Literatur gelebt und gefeiert. Und beim Feiern sind die Kölner schließlich immer vorn dabei.