Die Entführung ihrer beiden kleinen Zwillingstöchter stürzt das Ehepaar Steve und Margaret in tiefe Verzweiflung. Alles sind die Eltern bereit zu tun, selbst ein irrwitziges Lösegeld von acht Millionen aufzubringen. Doch die Entführer halten sich nicht an die Abmachung, und nur ein Kind kehrt zu seinen Eltern zurück. Die andere Schwester sei tot...
Für die Familie Frawley beginnt ein Alptraum, als sie von einem Essen zurückkehren und ihre Babysitterin gefesselt und geknebelt vorfinden. Die dreijährigen Zwillinge Kelly und Kathy sind verschwunden. Wenig später trifft eine Lösegeldforderung über 8 Millionen Dollar ein. Mit Hilfe von Steves Firma kann das Lösegeld aufgebracht werden und alles scheint gut zu gehen. Doch der nächste Schlag kommt wenige Stunden nach der Übergabe.
Nur Kelly liegt geknebelt im Auto, zusammen mit einem der toten Entführer. Bei der Leiche liegt ein Brief, in dem der Täter gesteht, das andere Mädchen versehentlich getötet und ihre Leiche versenkt zu haben. Er selber habe mit der Schuld nicht leben können. Doch während die Erwachsenen die Worte akzeptieren, hört Kelly nicht auf, mit ihrer Zwillingsschwester telepathisch zu kommunizieren. Für sie gibt es keinen Zweifel, dass Kathy noch lebt und auch die verzweifelte Mutter klammert sich an diesen Strohhalm.
Anzeige Beim Lesen von Mary Higgins Clarks Entführungsthriller fällt von Anfang an die beinahe halbdokumentarische Darstellung auf. Fragen, die der Steigerung der Dramatik dienen könnten, werden von Anfang an beantwortet. So ist von vorneherein klar, dass Kathy tatsächlich noch lebt und dass die Rettung keine Frage des „ob“ sondern nur des „wie“ ist. Ebenso ist die Identität der Entführer bekannt. Einzig die Suche nach dem Drahtzieher des Verbrechens, der sich „Kater Karlo“ nennt, ist ein Element des klassischen Krimis.
Die Autorin legt dafür großen Wert auf die enge Beziehung zwischen den Zwillingen Kelly und Kathy. Nur aufgrund der Tatsache, dass sie über beinahe telepathische Fähigkeiten verfügen, kann der Fall gelöst werden. Dass die Grenzen der Realität hier ein wenig gedehnt werden, muss der Leser akzeptieren. Schwieriger zu verdauen ist die Dummheit der Entführer. Sie agieren derart dilettantisch, dass zwar Spannung aufkommt, da man sehen will, wie und wann das kleine Mädchen gerettet wird, die Faszination, die vielschichtige Charaktere wecken, fehlt aber weitgehend.
Daran können auch die Nebenhandlungen nichts ändern. Sowohl Steves zwielichtiger Halbbruder als auch diverse Mitglieder seiner Firma, die alle irgendwie Dreck am Stecken haben, dienen natürlich der Erweiterung des Verdächtigenkreises, in der Summe wirken diese Nebenfiguren jedoch zu wenig integriert in die Geschichte. Letzten Endes präsentiert sich Weil deine Augen ihn nicht sehen als geradliniger, temporeicher Thriller, der trotzdem eher blutleer und allzu routiniert wirkt.
Fazit: Spannender, aber letztlich flacher Routinethriller um eine Entführung.
Mary Higgins Clark Weil deine Augen ihn nicht sehen (Originaltitel: Two Little Girls In Blue)
Übersetzt von Andreas Gressmann
Heyne
432 Seiten, EUR 19,95
ISBN 3453017900
Für Margaret Fowles wird der schlimmste Albtraum wahr: Skrupellose Erpresser entführen ihre dreijährigen Zwillingstöchter. Nach einer dramatischen Geldübergabe kommt eine Tochter frei, die andere aber sei gestorben, heißt es. Doch Margaret will nicht an den Tod ihres Kindes glauben.
Margaret Fowles ist mit ihrem Mann Steve auf einem Empfang, als das Schreckliche passiert: Zwei Männer dringen in ihr Haus ein, schlagen die Babysitterin nieder und rauben die Zwillingstöchter des Paares. Auf dem Kinderbettchen hinterlassen sie eine Lösegeldforderung über eine immens hohe Summe. Die Polizei tappt komplett im Dunkeln, aber es gibt einen Lichtblick: Die Eltern schaffen es tatsächlich, acht Millionen Dollar zusammenzubekommen. Vor Angst nahe am Nervenzusammenbruch wartet Margaret auf die Übergabe, doch nur ein Zwilling, Kelly, kehrt zurück. Die andere Tochter sei erkrankt und gestorben, lassen die Entführer wissen. Margaret ist hin und her gerissen zwischen Freude über Kellys Rückkehr und Verzweiflung über Kathys Tod. Doch mitten im Gedenkgottesdienst fängt Kelly zum ersten Mal seit ihrer Heimkehr wieder zu sprechen an: »Kathy hat so Angst vor der Frau! Mami, du musst sie auch heimholen.«