Für Camilla wird der schlimmste Albtraum einer Frau wahr, als sie aufwacht und auf ihrem Bett ein Mann sitzt, der sie zu vergewaltigen droht. Camilla weiß nur eins: Sie will und darf nicht zum Opfer werden. Sie überlebt, aber der Preis, den sie dafür zahlt, ist hoch.
Aus Liebe gibt die erfolgreiche Psychologin Klara ihre Praxis auf und kauft mit ihrem jungen Lover Jan zusammen eine Surfschule in Andalusien. Als er sie betrügt, steht die Mittvierzigerin vor dem Aus. Nur die Anwesenheit ihrer Freunde, der Bildhauerin Camilla und ihres Mannes Gil, hilft ihr über den ersten Schock hinweg, doch bald muss sie feststellen, dass Camilla sich seit ihrem letzten Treffen auf besorgniserregende Weise verändert hat.
Das Grauen verdichtet sich, als Klara am Stand eine Leiche findet, die einer von Camillas Skulpturen nachempfunden ist. Bald ist der einzige, dem Klara vertrauen kann, der abweisende Anwalt Martinez, der auch den Verkauf der Surfschule abwickelt. Als die zweite Leiche direkt vor Klaras Haustür auftaucht – oder vielmehr an der Decke hängt - lassen sich die beiden auf ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel ein.
Toughe Frauen, ein malerisches Setting, ein bestialischer Killer – das sind die Zutaten dieses exotischen Cocktails, mit dem Petra Pfänder ihre Leser das Fürchten lehren will. Von der ersten Seite an spielt die Autorin mit weiblichen Urängsten und geht der Frage nach dem Verhältnis von Sex und Macht, Kontrolle und Verführbarkeit auf den Grund. Ihre Heldinnen sind Frauen, die in Ausnahmesituationen geraten, in denen sie dazu gezwungen werden, sich ihren eigenen Wünschen und Ängsten zu stellen.
Das Ergebnis ist ein geradliniger Krimi mit Thriller- und Schockelementen, der mit einem relativ überschaubaren Personeninventar auskommt. So liegt der Schwerpunkt der Erzählung auch weniger auf der Mörderjagd als vielmehr auf der psychologischen Entwicklung der Hauptfiguren, was vor allem daran liegt, dass der Leser von Anfang an einen Wissensvorsprung vor seiner Protagonistin hat. Sogar die Identität des Täters wird er wahrscheinlich vor ihr erahnen. Trotzdem gelingt es Pfänder bis zum Schluss, mit einigen Überraschungen aufwarten.
Fazit: Effektvoller, wenn auch nicht außergewöhnlicher Reißer