Nomen est omen. Wer heute auf den wohlklingenden Namen Lorenzo de Medici hört und dann auch noch ein Buch mit dem Titel "Die Medici Verschwörung" schreibt, kann sich einer gewissen Aufmerksamkeit sicher sein. Der Autor ist nach eigenen Angaben ein Abkomme der berühmten Florentiner Familie der Medici aus der Zeit der Renaissance. Er ist in Mailand geboren, in der Schweiz und in den USA zum Ökonom gereift, inzwischen als Schriftsteller in Spanien lebend. Übrigens ist er nicht der einzige Spross dieser mächtigen Herrscherfamilie. Auch eine Kochbuchautorin erfreut sich des geschäftstüchtigen Namens Lorenza de Medici und veröffentlicht ansprechend gestaltete Kochbücher aus Italiens Provinzen.
Der vorliegende Roman über die Medici Verschwörung greift nicht auf den Versuch der Pazzi-Familie zurück, den in Florenz herrschenden Lorenzo de Medici und seinen Bruder Giuliano am 26. April 1478 zu entmachten und zu töten. Lorenzo konnte damals schwer verletzt fliehen, sein Bruder verblutete im Dom. Die Geschichte spielt gut hundert Jahre später im Schloss Bloi in Frankreich. Katharina de Medici, mächtige und gefürchtete Königin von Frankreich, liegt wenige Tage vor ihrem 70. Geburtstag im Sterben. Alle möglichen Hofschranzen, Abgesandte anderer Herrscherhäuser und intrigante Damen aus dem Hofstaat der Königin haben sich versammelt, während Katharina ihr Leben Revue passieren lässt und vielleicht erstmals in dem von strengen Ritualen und der eisernen Disziplin einer Herrscherin eingeschränkten Leben, ihren Gefühlen freien Lauf. Ihre Gedanken schweifen zurück in die Zeit, als sie als junges Mädchen Italien verließ, um einen Mann zu heiraten, den sie nicht kannte. Sie träumt von der Wärme ihres Heimatlandes, von der Schönheit der Paläste und der Freundlichkeit der Menschen. In Frankreich war sie in all den Jahrzehnten immer nur die Italienerin geblieben.
Anzeige Die Erinnerungen der Königin rücken Tinella, die ihr als Kammerzofe gedient hatte, ins Blickfeld und die auftauchenden Bilder drehen sich um die Rivalitäten zwischen Katholiken und Hugenotten. Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte soll die Bartholomäusnacht sein, die Pariser Bluthochzeit in der Nacht zum 24.8.1572, als auf Veranlassung von Katharina de Medici etwa 10 000 Hugenotten ermordet wurden. Bis zu diesem Höhepunkt gibt es Intrigen und Gemeinheiten am Hof. Viele verübeln der Königin eine anfangs tolerante Haltung gegenüber den Hugenotten und so dauert es nicht lange, bis jemand den Plan entwickelt, Katharina mit Hilfe eines vergifteten Buches aus dem Weg zu schaffen. Bis heute sind sich die Historiker nicht einig, ob Katharina von Medici das vergiftete Buch selbst in Umlauf gebracht, oder ob der Herzog von Giuse das Buch präpariert hat. Unbestritten ist, dass weder Katharina, noch Karl IX. an einem vergifteten Buch starben.
Neben diesen historischen Eckdaten wimmelt es in dem Roman an Geplänkel und Gemetzel, Vergewaltigungen und gestelzten Hofaudienzen. Da rauschen die Roben, die Hofdamen knicksen, süßsauer lächelnd, die Männer zerschlitzen sich in Duellen und Attentatsversuchen. Jeder hat seine Augen und Ohren überall, spioniert und intrigiert und der königliche Hof wirkt wie ein unruhiger Taubenschlag oder ein Haufen von Dilettanten.
Doch das Leben, das da in den Küchenräumen des Louvre, im Privatgemach der Königin oder auch in der Stube der Wachtposten geschildert wird, wirkt seltsam leblos. Die Beschreibungen sind redundant, wirken aufgebläht und teilweise langweilig und schal. Trotz des interessanten historischen Stoffes kommt keine Spannung auf. Mehrere Seiten lang denkt Katharina nach, überlegt, sinniert, der Nachmittag verstreicht, ohne dass sie eine Entscheidung getroffen hat, sie wiegt das Für und Wider ab, sie befragt ihre Astrologen, sie lässt in die Sterne schauen. Viele Worte für nichts. Nach zwei Seiten steht dann endlich ein erlösender Satz: "Die Entscheidung, die sie nicht hatte treffen können, war von höheren Mächten getroffen worden." Die Geschichte kann ein Zentimeterchen weiter voran kriechen.
Dem Roman hilft es auch nicht, dass sich Tinella in den Frauenhelden Francois verliebt, der bei dem geplanten Giftanschlag die Hand im Spiel hat. Die Verschwörung der Medici bleibt blass und die Tatsache, dass Katharina de Medici auf Seite 330 ausruft "Oh, mein Gott, ich bin tot" und ihren letzten Atemzug tut, ist durchaus eine Erlösung.