Issa und seine Familie sind von Marokko nach Amsterdam gekommen. So lebt Issa praktisch in zwei verschiedenen Welten. Verständlich machen kann er sich in drei Sprachen. Er spricht wie seine Eltern, kennt das Arabisch aus dem Koran und das Niederländisch, das er für die Schule braucht. Das Auseinanderhalten fällt ihm schwer. Es gibt immer wieder Probleme in der Schule, so dass er diese schließlich wechseln muss.
Die neue Schule ist eine Förderschule mit kleinen Klassen und zielt darauf hinaus, die Schüler zu befähigen, später Gärtner oder Tierpfleger zu werden. Gleich am ersten Tag schließt Issa Freundschaft mit Dicky. Beide kommen in die gleiche Klasse. Obwohl Issa sehr skeptisch der neuen Schule gegenüber ist, gefällt ihm der erste Tag gut, auch wenn er das nie zugeben würde. Vater und Mutter sollen auch nicht wissen, wie es ist, schon gar nicht, dass Kampfsport unterrichtet wird. An der Schule sind nur wenige Ausländer, so dass Issa viel über die Lebensweise der Niederländer erfährt.
Anzeige Der Schulalltag wird recht eintönig beschrieben. Und doch spürt man die innere Zerrissenheit von Issa. Er lebt zwei Leben. In der Schule geht es eher locker zu. Integration wird großgeschrieben. Rassismus hat keine Chance. Zuhause erziehen die Eltern mit Strenge und unter den Regeln ihres Glaubens, setzten ihrem Sohn harte Grenzen. So kann Issa sich nicht einleben und auch nicht die Erwartungen der Familie erfüllen. Er kann es niemanden recht machen und verzweifelt deswegen fast. Die Autorin beschreibt Issas Gefühle sehr genau. Nach einem Vorfall kommt es schließlich zum Bruch mit dem Vater. Die bis dahin sehr ruhig gehaltene Geschichte bekommt dadurch im letzten Abschnitt eine ungeheure Dramatik. Diese plötzliche Eskalation nimmt dann aber sehr schnell ein gutes Ende, das man der Autorin nicht so ganz abnehmen will. Es ist zu einfach.
Karlijn Stoffels Marokko am See Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler
Beltz & Gelberg
Klappenbroschur, 155 Seiten
ISBN: 3407740360
Preis: 12,90 Euro