Der Lonely Planet hat sich schon seit Jahren als Bibel der Rucksackreisenden etabliert. Wer jedoch keine Lust hat, sich mit dem englischen Kultreiseführer durch fremde Lande zu schlagen, kann sich seit einiger Zeit auch eine deutschsprachige Version zulegen. Mit diesem Stück Heimat im Gepäck, kann es losgehen - zum Beispiel nach Argentinien!
Genau wie das englische Original kommt auch die deutsche Ausgabe ohne viel Hochglanz-Schnickschnack aus. Dafür gibt es im gewohnten Layout Information pur: ein Abriss über Argentiniens Kultur, Geschichte und Geographie, Vorschläge für Rundreisen und schließlich das Herz eines jeden Lonely Planets: In neun Kapiteln, die sich an den verschiedenen Regionen des Landes orientieren, werden die einzelnen Orte vorgestellt.
Den Start macht die wunderschöne Hauptstadt Buenos Aires - von altmodischen Cafés bis zu modernen Einkaufsstraßen, von europäisch angehauchter Architektur bis zu südamerikanischer Lebensart, von Tango bis Fußball hat der Lonely Planet Argentinien alles wichtige zusammengetragen. Sämtliche Museen, sogar die wohl den meisten Porteños (Bewohner von BA) unbekannten, sind hier mit Kommentar aufgelistet. Auch Tangounterricht und Flamenco-Lokale fehlen nicht. Und selbst wenn man einen Buchladen sucht, braucht man nur nachzuschlagen.
Die Behauptung, Buenos Aires sei ein "Billigparadies" ist jedoch ein Euphemismus. Die finanzpolitische Lage in Südamerika kann schließlich so stabil sein wie unser Wetter im April. Die Autoren meinen, es gebe aus finanzieller Sicht keinen besseren Zeitpunkt, als Buenos Aires jetzt zu besuchen - diese Aussage ist jedoch so zeitgebunden, dass sie mit Vorsicht zu genießen ist.
Ansonsten gibt es nur kleine Schönheitsfehler. So könnte man die Vielzahl an Freimaurersymbolen in der Catedral Metropolitana erwähnen, oder, dass nicht nur die Viertel Recoleta und Barrio Norte, sondern auch der Vorort San Isidro zum exklusiven Yuppie-Pflaster gehört. Aber um solche Einzelheiten zu erfahren, kann man die Touristeninformation vor Ort nutzen, sich gezielt ein Kultur-Reisebuch zulegen oder am besten die Argentinier selbst mit Fragen löchern. Der Lonely Planet will schließlich eine möglichst umfangreiche Übersicht bieten, die als Basis für den Aufenthalt dient. Unter den Sicherheitshinweisen zur Taxinutzung in BA wäre trotzdem die Erwähnung der so genannten Taximafia wichtig gewesen (Taxen, die keine Taxen sind und Touristen in dunkle Ecken kutschieren, um sie auszurauben). Ansonsten sind aber alle Tipps für eine sichere Reise dabei.
Argentinien hat natürlich noch mehr zu bieten als Buenos Aires: die berühmten Iguazú Wasserfälle im Nordosten des Landes, im Westen das Andengebirge mit seinen atemberaubenden Tälern, schneebedeckte Vulkane und das Seengebiet sind nur ein Bruchteil dessen, was den Weltenbummler hier erwartet. All das und noch mehr stellt der Lonely Planet Argentinien übersichtlich zusammen. Eine kurze Einführung zum jeweiligen Ort, Stadtkarten, Kommentare zu Sehenswürdigkeiten, Unterkünften, Restaurants, Shopping-, Sport- und Ausgehmöglichkeiten sowie Infos zur An- und Weiterreise gehören zum Standard jeder Ortsbeschreibung.
Anzeige Sogar ein Abstecher über den Río de la Plata ins Nachbarland Uruguay ist in das Reisehandbuch eingegangen. Und auch wenn die kleine República Oriental del Uruguay (etwas mehr als 3 Mio. Einwohner auf ca. 175.000 qkm) in nur 8 Seiten abgehandelt wird, finden sich hier wenigstens die wichtigsten Orte für einen Abstecher: die bezaubernde Hauptstadt Montevideo, das beliebte Ferienparadies Punta del Este und die Stadt Colonia, deren Altstadt UNESCO Weltkulturerbe ist.
Nun erhebt kein Reisehandbuch Anspruch auf Vollständigkeit. Ganz Argentinien in knapp 600 Seiten zu pressen ist schlicht unmöglich. Und kein Reisehandbuch bürgt für 100% Richtigkeit aller Angaben: Das nette Restaurant an der Ecke kann schließen, das saubere Hotel seinen Besitzer wechseln und zur furchtbarsten Absteige werden. Doch im Allgemeinen kann man sich auf den Lonely Planet Argentinien verlassen, und zwar weitaus mehr als auf andere Reiseführer, die mehr bunte Bildchen und dafür weniger brauchbare Infos beinhalten.
Die Fülle an Informationen bringt keinesfalls die vermutete Trockenheit mit sich. So kommt man ins Schmunzeln, wenn man unter dem Punkt Gefahren den Hinweis bekommt: "Wer halbwegs vorsichtig ist, wird bestenfalls beim Wechselgeld geprellt, stolpert vielleicht auch über ein paar lockere Bordsteine, tritt in Hundehäufchen oder wird von einem irren Busfahrer platt gefahren." Allerdings wirken einige Formulierungen etwas lax und zuweilen ein wenig lächerlich. Wichtig ist aber, dass sich alles sehr gut lesen lässt, denn wer hat im Urlaub schon Lust, sich mit komplizierten Formulierungen abzumühen.
Der Lonely Planet Argentinien ist ein zuverlässiges Reisehandbuch. Wer Informationen über Land und Leute, Sehenswürdigkeiten und das Leben in Argentinien sucht, wird hier fündig. Egal ob das Budget groß oder klein ist, für jeden gibt es die passenden Tipps zu Unterkunft und Essen. Der Lonely Planet ist genauso empfehlenswert wie die Reise nach Argentinien selbst.
Danny Palmerlee, Sandra Bao, Andrew D. Nystrom
Lonely Planet Argentinien
Lonely Planet Verlag Deutschland
Mai 2006
588 Seiten, EUR 24,95
ISBN: 3829715501