Nach einer wilden Party wird die Gastgeberin tot aufgefunden, sie ist langsam verblutet. Doch nicht diese Tatsache ist es, die Kommissar Peter Nachtigall schockiert, sondern vielmehr die hämische Freude von Nachbarn und Bekannten, deren einhellige Meinung zu sein scheint: Die Schlampe hat es verdient!
Freundliche Worte haben die Nachbarn nicht für Friederike: Sie sei laut und frech gewesen, eine Schande für die Nachbarschaft, die immer wieder die Penner aus dem Stadtpark zu wilden Drogenparties in ein anständiges Haus geladen habe. Nun ist eben diese Friederike tot, und Peter Nachtigall dringt tiefer in die Vergangenheit des Opfers ein. Ganz Unrecht scheinen die hämischen Stimmen nicht zu haben, das muss sogar der schockierte Kommissar zugeben. Friederike hatte einige Leben auf dem Gewissen, nicht zuletzt das ihres ungeborenen Kindes, das sie gegen den Willen ihres Freundes abgetrieben hatte.
Während Nachtigall unter den Dutzenden von Verdächtigen den Richtigen herauszufinden versucht, muss er sich mit seinen eigenen Problemen herumschlagen. Nach und nach muss er sich damit abfinden, dass seine Tochter eigene Wege geht und er die Stelle als wichtigster Mann in ihrem Leben ihrem Freund abtreten muss. Die Parallelen zwischen der aufsässigen Friederike und seinem eigenen Kücken machen die Lösung des Falles nicht einfacher.
Anzeige Franziska Steinhauers Seelenqual legt ihrem Kriminalroman eine interessante Idee zugrunde. Was ist, wenn das Opfer, das traditionell das Mitleid für sich beansprucht, sein Schicksal eigentlich verdient hat? Tatsächlich hat sie mit der heranwachsenden Friederike, der der Leser nur sterbend oder tot durch die Augen von Freunden und Familie begegnet, eine Figur geschaffen, die nicht bequem ist. Doch ist sie schlechter als die Täter oder potentiellen Täter, deren Engstirnigkeit und Herzlosigkeit sich nur in Häme und Selbstgerechtigkeit äußert?
Schade nur, dass man der Autorin den Vorwurf machen muss, dass sie in ihrem Roman keine echten Höhepunkte herausarbeitet. Von „Seelenqual“, wie der Titel verspricht, ist nur in Ansätzen etwas zu spüren, stattdessen nimmt die Handlung seinen sehr konventionellen Verlauf. Der Mord geschieht, die Ermittler schalten sich ein, befragen Zeugen, befragen Zeugen erneut und schließlich wird der Täter gestellt. Da bleibt der originelle Ansatz des Themas leider weitgehend auf der Strecke. Statt die Ermittlung mit Szenen aus Nachtigalls Privatleben abzuwechseln, hätte hier und da ein Bruch des Erzählflusses der Spannungskurve gut getan.
Fazit: Thematisch interessant, im Aufbau leider etwas konventionell