Mit einem tausendfünfhundertseitigen Wälzer in der linken und einer leeren rechten Hand,
fand ich den leichtfüßigen Umschlag und den Titel wirklich gut. Ich nahm an, es wäre so etwas wie „Kannst du“, nur ohne Fickerei und Bierflaschenwerfen. Also kaufte ich das Buch und las es noch am selben Abend, in etwa zwei Stunden. Ich lachte. Über den Autor.
Héctor Abad, ein Kolumnist und Redakteur, kann ja nicht wirklich schreiben. Seine Sprache ist die eines Kolumnisten. In einem Buch tritt ihr Schmuck besonders zur Geltung. Weil auf dem Umschlag jedoch von „Selbstironie“ die Rede ist, kann man ruhig auch über Héctor Abad lachen, nehme ich an. Das Buch ist ansonsten nämlich ganz lustig, wenn man zum Beispiel eine Frau ist und Sorgen hat. Dann schlägt man das Buch irgendwo auf und liest dieses: „Es ist eine gesunde Gewohnheit, deinem Bild im Spiegel die Zunge auszustrecken. Denn es ist gut, wenn man täglich ein wenig über sich selbst lacht, und außerdem kannst du dabei einen Blick auf ihr Aussehen und ihre Beschaffenheit werfen.“ Hier hat man doch alles, was man benötigt, um einen Autor nicht ernst zu nehmen. Und vielleicht nahm er sich selbst, das ist zumindest meine Vermutung, ebenfalls nicht ernst. Ob ich das Buch noch mal lesen möchte, wage ich allerdings zu bezweifeln. Es kostete mich ganz ohne Übertreibung die ersten zehn Seiten viel Mühe.
Anzeige Der anekdotische und zunächst schreckliche aphoristische Ton schlug für mein Empfinden irgendwann lediglich in Heiterkeit um, nicht nur wegen der Gerichte, die gegen Melancholie verabreicht wurden – Dinosaurierpastete -, sondern aufgrund des allgemein leichten und freundschaftlichen Schulterklopfens eines so genannten Frauenkenners. Wenn Frauenkenner von Frauen sprechen, weiß man natürlich, so ist es vorgesehen, viel. Wennso einer ein Buch schreibt, natürlich noch mehr. Dabei geht es in dem Buch im Grunde um alles, was Menschen beschäftigen kann, worin sie ab und an Hilfe brauchen: Aussehen, Selbstmitleid, Kollegen, Ehemann, Sexualität, Mief. Eine entspannende, ja aber irgendwo sinnlose Abendlektüre.
Andere Passagen machten mich fürwieder stumm, weil ich nicht mehr wusste, ob er es vielleicht doch ernster meinte, als ich es interpretierte: „Eine schwangere Frau hat viele Gelüste, und es ist eine ausgezeichnete Sache, wenn du alles tust, was in deiner Macht steht, um sie zu befriedigen.“