Zum ersten Mal treffen sich Gwen und Beatrijs und ihre Männer ohne die zu früh verstorbene Vero. Die Zurückgebliebenen versuchen jeder auf seine Art, mit dem Verlust fertig zu werden, doch irgendwie ist nichts wie sonst. Als während eines harmlosen Ausflugs Gwens Baby verschwindet, wird die jahrelange Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.
Seit Jahren treffen sich die Schulfreundinnen Gwen, Veronica und Beatrijs zu einem gemeinsamen Kurzurlaub mit Ehemännern und Kindern. Doch diesmal ist alles anders. Veronica ist tot und Beatrijs hat mit ihrem neuen Lebenspartner Leander einen Esoteriker samt unerzogener Teenagertochter in den Kreis eingeführt. Dennoch versuchen alle, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, doch dann wird während eines Ausflugs Gwens jüngste Tochter entführt.
Plötzlich klaffen Risse in der Idylle auf. In ihrer Not sucht Gwen Rat bei Leander, der behauptet, das zweite Gesicht zu haben. Trotz der kritischen Kommentare der Freunde, scheinen die Bemühungen von Erfolg gekrönt zu sein, doch auch der glückliche Ausgang des Abenteuers kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass etwas geschehen ist, das schwer wieder gut zu machen ist. Die Illusion der Unverwundbarkeit scheint den Freunden auf immer genommen zu sein.
Anzeige Renate Dorresteins Roman Der Ausflug ist ein Musterbeispiel für den Einsatz subversiver Spannung, die unter der Haut entsteht und den Leser nicht mehr loslässt. Von Anfang an wird eine gebrochene Stimmung geschildert. Tod und Hilflosigkeit prägen ein Bild, in dem noch die Sehnsucht nach der Unberührtheit der Vergangenheit schwingt. Erwachsene und Kinder versuchen vergeblich, mit dem Verlust fertig zu werden. Einzig Gwen scheint wie ein Fels in der Brandung ihrem fröhlichen Chaos nachzugehen.
Als auch ihre Sicherheit durch das Verschwinden des Kindes zerrüttet wird, ist der Weg für das Chaos frei. Es ist ein besonderer Kunstgriff des Romans, dass sogar das Happy End sich als trügerisch herausstellt. Die Autorin zeigt, dass „Ende gut“ nicht unbedingt „alles gut“ bedeutet. Die Figuren wirken in ihrer Verwirrung ebenso verletzlich wie verletzend und erscheinen somit zutiefst menschlich. Jeder Leser kennt die Zweifel und Betrügereien, die hier exemplarisch vorgestellt werden.
Ihren subtilen Höhepunkt erreicht die Charakterisierung in der zwiespältigen Figur des Leander, der langsam aber sicher Macht über die unschuldige Freundesclique gewinnt. Von Seite zu Seite wünscht der Leser seinen Einfluss gebrochen zu sehen und kann doch nicht ableugnen, dass es die anderen sind, die ihm die Macht freiwillig einräumen, die er ge- und missbraucht. Dass das Ende mehr oder minder offen ist, ist nur eine logische Konsequenz eines Romans, der inhaltlich wie sprachlich nicht loslässt.
Fazit: Psychologisch überzeugender Roman um eine Freundschaft in der Krise