Eva Herman hat die Emanzipation für gescheitert erklärt. Ihr Buch hat Empörung hervorgerufen. Auch Karin Deckenbach, Diplompolitologin und Journalistin, kann mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten. Sie versucht gegenzusteuern und herauszufinden, was Frauen wirklich wollen.
Die Autorin schlägt einen sehr frechen, aber auch sehr selbstbewussten Ton an. Sie spricht an, wo es nach ihre Meinung hakt und wo sich falsche Denkweisen eingeschlichen haben. Sie legt offen, woran es liegt, dass Frauen in Deutschland immer weniger Kinder bekommen. Sie hinterleuchtet Paarbeziehungen nach unterschiedlichen Erwartungen und Ansprüchen von Mann und Frau und zeigt, was sich ändert, wenn Nachwuchs unterwegs ist. Denn spätestens dann ist es in den meisten Beziehungen vorbei mit der Gleichberechtigung. Dann wird wieder nach alten Mustern gelebt.
Die Autorin zieht Vergleiche mit anderen Ländern, wo es selbstverständlich ist, die Kinder bald in die Krippe zu geben und wieder zu arbeiten, so wie es früher auch in der DDR war.
Anzeige In Deutschland wird nach ihre Meinung viel zu viel diskutiert, aber nicht gehandelt und auch die politischen Rahmenbedingungen werden nur zögerlich geschaffen. Kein Wunder also, dass viele Frauen wieder am Herd enden, obwohl es nicht ihre freie Entscheidung ist.
„Deutschland ist die unmodernste Gesellschaft in Westeuropa. Wir sind die am wenigsten gleichberechtigten Frauen. Wir haben die meisten unemanzipierten Männer“, konstatiert die Autorin.
Tatsache ist, über dieses Thema kann man diskutieren bis zum Umfallen. Es wird sie immer geben, die Frauen, die auf Karriere verzichten und lieber eine Familie gründen, die Frauen, die auf Kinder verzichten und lieber Karriere machen und auch die Frauen, die Kinder und Karriere unter einen Hut bringen wollen. Ganz nebenbei gesagt, gibt es auch noch die Mütter, die trotz Kinder einen ganz normalen Job ohne Aufstiegschancen haben. Die arbeiten, um zu leben und die über das ganze Emanzipationsgerede nur müde lächeln können. Von diesen Müttern ist aber in diesem Buch nicht die Rede. Das Thema wird ohnehin langsam langweilig. Aber scheinbar lässt sich gut damit Geschäfte machen.
Karin Deckenbach War was, Eva? Wer sich nicht wehrt, endet am Herd
Droemer Verlag
299 Seiten, gebunden, 16,90 Euro
ISBN-10: 3426274140 ISBN: 978-426-27414-9