Nur durch eine Verkettung von Zufällen überlebt Jakob die Anschläge vom 11. September 2001. Eigentlich hätte er einen ein Meeting im World Trade Center gehabt, doch weil er zu einer Party in Berlin eingeladen ist, sagt er den Termin ab. Denn zu der Party in Berlin ist auch Isabelle eingeladen. Isabelle, mit der Jakob während des Studiums eine gemeinsame Nacht verbracht hat und die er seitdem nicht mehr vergessen kann.
Mehr des glücklichen Zufalls wegen, der Jakob das Leben gerettet hat, als aufgrund echter Verliebtheit werden Jakob und Isabelle ein Paar und heiraten schließlich, weil es „so passend“ ist. Jakob wird befördert, er erhält die Stelle, die eigentlich sein Kollege Robert hätte bekommen sollen. Doch Robert ist am 11. September 2001 im World Trade Center ums Leben gekommen. So fühlt sich die Freude über die Beförderung und den neuen Arbeitsplatz in London schal an und genauso schal wird bald auch die Liebe zwischen Jakob und Isabelle.
Anzeige Isabelle folgt Jakob nach London. Trotz ihres finanziellen Wohlstandes ziehen die beiden in ein viktorianisches Haus in einem sozial heruntergekommenen Viertel. In diesem Viertel leben die wahren Habenichtse, zu denen bald auch Jakob und Isabelle werden. Sara, das Nachbarskind, das von den alkoholkranken Eltern misshandelt wird und immer mehr verwahrlost, ihr Bruder Dave, der sich oft tagelang vor seinen brutalen Mitschülern versteckt und der Junkie, Drogendealer und Stricher Jim fristen dort ihr Dasein.
Bald kreuzen sich Isabelles und Jims Wege und schon kurz darauf zeigt die Beziehung von Jakob und Isabelle Risse. Je mehr Jakob seinen Chef Bentham bewundert, je mehr Isabelle dem Drogendealer Jim verfällt, desto mehr entfremden sie sich einander.
Unterschwellige Angst und sinnlose Gewalt beherrschen das Leben in der Lady Margaret Road und lassen die in ihr lebenden Menschen immer mehr abstumpfen. So unternimmt Isabelle, die täglich Zeugin der der schrecklichen Misshandlungen Saras wird, nichts dagegen. Lethargisch nimmt sie die Gewalt um sich herum hin, Mitleid kann sie nur noch für sich selbst empfinden. Letztendlich muss die Beziehung von Jakob und Isabelle zerbrechen, denn für andere Menschen wollen oder können sie einfach keine Gefühle mehr aufbringen.
Fazit: Literaturwissenschaftlich betrachtet ist Die Habenichtse außerordentlich interessant und unbedingt lesenswert, denn Katharina Hacker gelingt es, die innere Leere, den ziellosen Ehrgeiz und die scheinbare Ausweglosigkeit, in der sich die Protagonisten Jakob und Isabelle befinden. auch stilistisch umzusetzen. Katharina Hacker beschreibt das Geschehen völlig wertungsfrei. Dies ist um so eindrucksvoller, als es das Problem nachdrücklich darstellt, dass es den Protagonisten des Buches an einem Wertesystem fehlt. So unterstreicht Hacker gerade durch das bewusste Aussparen einer Bewertung des Verhaltens der Charaktere die Wertefreiheit, in der die Protagonisten ihr Dasein fristen und das der Dreh- und Angelpunkt für ihr Unglück zu sein scheint. Denn wer moralische Werte hat und nach ihnen lebt, der vermag seinem Leben einen Sinn zu geben und damit die innere Leere zu überdecken, an der Isabelle und Jakob letztendlich scheitern.
Hacker treibt den Leser in die gleiche Gefühlslage, die gleiche Ausweglosigkeit, mit der ihre Protagonisten zu kämpfen haben und gegen die sie doch verlieren müssen. Gerade darin besteht aber für denjenigen die Schwierigkeit, der gerne aus reiner Freude am Schmökern ein gutes Buch lesen möchte: Katharina Hacker spielt so geschickt mit Worten, dass sich Leere und Ziellosigkeit auch auf den Leser übertragen. Nach wenigen Seiten fühlt man sich desorientiert, könnte einer der beschriebenen Charaktere sein. Das erwartete Hochgefühl bleibt aus, stattdessen überkommt den Leser ein gewisser Widerwillen, dem Text weiter zu folgen und sich noch mehr im Nichts zu verlieren. Zwar ist der Einstieg nach einer Lesepause leicht, allerdings fällt es auch nicht schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Denn genauso wenig wie die Protagonisten von dem Geschehen um sie herum gefangen werden, genauso wenig vermag der Text den Leser gefangen zu nehmen und zu halten.