So etwas passiert bei uns nicht - nach diesem Motto lebt es sich gut in Finnland, einem kleinen Land mit einem gemütlichen Präsidenten und netten Bürgern. Attentate kommen in großen Ländern vor, Ländern wie in Amerika. Leider denkt nicht jeder Finne so ...
Seine Kollegen kennen Asko Mertanen nur als zuverlässigen Kellner, der sich leider immer wieder in rebellischen Posen ergeht und auf die Regierung schimpft. Sie ahnen nicht, dass der unscheinbare Sonderling daheim eine Waffensammlung hat und sie auch zu nutzen gedenkt. Als er seiner einzigen Freundin, der Kellnerin Eeva-Maria, seinen Plan anvertraut, den Präsidenten zu ermorden, erklärt sie sich bereit, ihm zu helfen, denn sie ist eine Frau, die zu keiner Erfahrung nein sagt.
Mertanen ahnt nicht, dass der böse Zufall alle seine Pläne zunichte machen wird. Eeva-Marias Tod lenkt Kommissar Hanhivaara auf seine Spur, doch noch fehlen die Beweise. Der Attentäter weiß, dass er trotz aller Ablenkungsmanöver dem Arm des Gesetzes nicht entgehen wird, doch das ändert nichts an seinem felsenfesten Entschluss: Der Präsident muss sterben. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Anzeige Mit Schwarzer Frühling lässt der finnische Krimiautor Pentti Kirstilä seinen Helden Lauri Hanhivaara seinen dritten Fall lösen. Mit viel Witz und freundlicher Ironie legt er die Schwächen des finnischen „Volkscharakters“ bloß, denn – so Kirstilä – der Finne ist der Beweis für die Existenz dieser umstrittenen Größe. Gleichzeitig untergräbt der Autor seine eigene These, denn mit seinen handelnden Figuren stellt er eine ganze Bandbreite eigenwilliger Charaktere vor, die alle ihre Macken, ihre Eigenheiten haben.
Gelungen ist vor allem das Duell zwischen dem Attentäter und dem Ermittler, die sich vorsichtig umtanzen, bis es schließlich zu einem überraschenden Finale kommt. Doch auch die Nebenfiguren entwickeln ein ungewöhnlich eigenständiges Leben und wachsen dem Leser in ihrer Individualität ans Herz. Noch amüsanter ist hingegen die Stimme des allwissenden Erzählers, der sich immer wieder in die Geschichte drängt und ihre ironischen Kommentare einflicht. Diese Stimme schafft zwar einerseits Distanz, lässt den Leser aber andererseits eine ungewöhnlich boshafte Seite des Falles sehen, der Schwarzer Frühling zu einem intelligenten Lesevergnügen macht.
Schwarzer Frühling ist eine gelungene Mischung aus Spannung, Charakterzeichnung und trockenem Witz, die sich nicht scheut, die ernsten Seiten dazustellen, die sich durch die Existenz eines wahnsinnigen Mörders ergeben, die jedoch gleichzeitig auf jede Effekthascherei verzichtet und bei aller Tragik nicht das Skurrile übersieht.
Fazit: Ironisch-intelligent gebrochener Spannungsbogen vor kühler Kulisse.
Pentti Kirstilä Schwarzer Frühling Ein Fall für Lauri Hanhivaara
(Originaltitel: Jäähyväiset presidentille)
Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.
grafit
gebunden, 283 Seiten, EUR 17,90
ISBN 3-89425-651-6