Kartenspiele sind das Werkzeug des Teufels. Einleuchtend also, dass diejenigen, die ein neues Kartenspiel erfinden fast automatisch mitverflucht sind. Schlecht für einen spielfreudigen Pharao - seine Leidenschaft für die Karten machte ihn zum Untoten. Als Edgar Allan Poe und seine Freunde die Mumie Jahrhunderte später sezieren sieht der antike Herrscher seine Chance zur Erlösung. Es kommt ich zum finalen Kartenspiel um den Einzug in die Ewigkeit. Ein hoher Einsatz - oder nur eine Poeske Opium-Illusion?
Gespräch mit einer Mumie ist das 18. Hörspiel in der mittlerweile 21teiligen Reihe um den gedächtnislosen Protagonisten Edgar Allan Poe. Dementsprechend nimmt die Rahmenhandlung rund um die Identitätssuche den größten Raum des Hörbuches ein. Das ursprüngliche Werk von Poe tritt sehr in den Hintergrund, so dass von der Kurzgeschichte des amerikanischen Autors kaum mehr als der Titel und einige zentrale Motive übrig bleiben. Die 72 Minuten Spielzeit warten vielmehr mit einer sehr freien Bearbeitung des Originalstoffes auf und bleiben ohne vorherige Kenntnis der Rahmenhandlung der Hörspielreihe leider Stückwerk.
Anzeige Das bedeutet aber nicht, dass Spannung und schauriges Frösteln ausbleiben. Im Gegenteil, das Hörspiel ist aufwendig produziert: Eigens komponierte Musik sorgt für Spannung und die gut eingesetzten Soundeffekte unterstreichen die düstere und beklemmende Atmosphäre in der Protagonist Edgar Allan Poe Mitte des 19. Jahrhunderts seine Vergangenheit in New York sucht.
Gerade aus New Orleans angekommen wird er unsanft geweckt und zum Verhör auf die Polizeistation gebracht. Der Constable befragt Poe dort zu einigen einschlägig bekannten Personen in New York. Alle scheinen in einen mysteriösen Mordfall einer Spielerrunde verwickelt zu sein und stehen ebenfalls seltsamer Beziehung zum Protagonisten. Um die Suche nach seinem vergangenen Leben und seine einzigen beiden Freunde nicht zu gefährden schweigt Poe. Ebenso wie die später verhörte Schnapshändlerin.
Trotzdem erfährt die Polizei nichts von dem einzigen Anhaltspunkt Edgar A. Poes bei der Suche nach seiner Identität: Der Maler Jimmy Farrell, von dem Poe hoffte, er könne ihm mit Informationen behilflich sein, wurde ermordet. Als Edgar Allan ihn sterbend in seiner Wohnung findet, röchelt Farrell ihm ein Wort zu: Pharao - oder so ähnlich. Dieses Wort bringt Poe auf die Spur von New Yorker Leichenhändlern und schließlich zu einem grausigen Erlebnis zwischen Leben und Tod.
Ulrich Pleitgen (Edgar A. Poe) und Iris Berben (Leonie) leihen den handelnden Personen ihre Stimmen. Pleitgen gelingt es in beeindruckender Manier, die für Poe typische Stimmung zwischen Vernunft und Wahnsinn in Timbre und Worte zu fassen. Im Zusammenspiel mit den exzellent produzierten und effektvoll eingesetzten Musik und Soundeffekten entsteht daraus ein schauriges Hörspielvergnügen. Allerdings könnten die Dialoge an manchen Stellen etwas abgeschliffen oder ganz weggelassen werden um die stimmungsvolle Dichte zu verstärken.
Gespräch mit einer Mumie ist ein aufwendig produziertes Hörspiel: Spannend, kurzweilig und atmosphärisch. Wer allerdings eine Hörbuch-Umsetzung der Poeschen Kurzgeschichte sucht, wird enttäuscht. Allenfalls inspiriert von den ursprünglichen Erzählungen ist das Hörspiel. Empfehlenswert ist es außerdem, sich zumindest vorher in die Rahmenhandlung der Hörspielserie einzulesen, denn sonst gilt: Für Fans.
Edgar Allan Poe Gespräch mit einer Mumie gesprochen von Ulrich Pleitgen, Iris Berben u.A.
Lübbe Audio, Dezember 2006
1 CD, Lauflänge ca. 72min, 7,95 Euro
ISBN 10: 3785731604
ISBN 13: 9783785731604