Rastlos läuft Rudy Tuck von einer Station zur anderen - sein Vater Josef liegt in einem Krankenhaus in einer amerikanischen Kleinstadt im Sterben, während seine Frau in demselben Krankenhaus seinen Sohn Jimmy zur Welt bringt. Im Warteraum des Kreißsaals drückt ihm ein nervöser Clown namens Beezo, der ebenfalls die Niederkunft eines Kindes erwartet, eine Eintrittskarte in die Hand, auf diese notiert er die letzten Worte seines Vaters. Und diese Worte werden das Leben seines Sohnes prägen.
Denn Josefs Vorhersehung prophezeit Jimmy Tock fünf schwarze Tage. Und da der Sterbende neben diesen Daten auch Größe und Gewicht des neugeborenen Jungen auf Zentimeter und Gramm genau vorhergesagt hat, besteht für niemanden in der Familie ein Zweifel daran, dass sich diese Prophezeiungen ebenfalls bewahrheiten werden. Außerdem hatte Josef seinem Sohn noch mit auf den Weg gegeben, dass er sich vor dem Clown in Acht nehmen sollte – und just dieser Clown beginnt in diesem Augenblick auf der anderen Station einen Amoklauf, da seine Frau bei der Geburt seines Sohnes Punchinello verstorben ist.
Anzeige Punchinello sollte eigentlich ein großer Clown werden, aber dazu fehlt ihm das Talent. Also wird er Bankräuber – und am ersten seiner prophezeiten schwarzen Tage fällt ihm Jimmy Tock als Geisel in die Hand. Doch er kann sich das Vertrauen des Clowns erschleichen – und sich selbst retten, wenn auch nur knapp, mit komplizierten Knochenverletzungen. Außerdem – Glück im Unglück – ist ihm die zweite Geisel, die ihm später im Explosionsgewitter das Leben rettet, so sympathisch, dass sie nur wenige Monate nach dem schwarzen Tag seine Frau wird. Doch der nächste schwarze Tag, einige Jahre später, wirft bereits seine Schatten voraus.
Und eines hat Jimmy schon gelernt: egal, wie er auch versucht, seinem Schicksal aus dem Weg zu gehen, egal, wie er sich vorsieht und bewaffnet, egal, welche Entscheidung er für die vernünftigste, für die mit am wenigsten Gefahr verbunden hält – der Unglückstag wird eintreten, so oder so. Und tatsächlich findet er sich Jahre später in einem Waldstück wieder, seine hochschwangere Frau auf dem Beifahrersitz, nachdem sie ein Irrer im Schneetreiben von der Straße abgedrängt hat. Während Jimmy mit dem Gewehr im Anschlag durch den Wald irrt, nähert sich der Verfolger seiner Frau – und es ist natürlich ein Clown.
Denn das Leben von Jimmy Tock ist enger mit dem der beiden Clowns Beezo und Punchinello verquickt, als er anfangs ahnt, selbst seine Kinder entkommen dem Bann der Zirkusfamilie nicht. Und nach jedem überstandenen schwarzen Tag steigt die Angst vor dem nächsten – und das beklemmende Gefühl, dass nichts von dem, was man unternimmt, um dem Schicksal zuvorzukommen, eine Wirkung zeigen wird.
Was Koontz dem Leser hier vorsetzt, ist Hochspannung pur. Und diese Leistung muss man erst einmal anerkennen: wann bekommt man schon einmal ein Buch in die Hände, das über mehr als 450 Seiten hinweg die Spannung auf konstant hohem Niveau hält? Natürlich kann man dann anfangen, an Koontz herumzukritisieren: die Charaktere sind oft zu sehr Prototypen, der Handlung mangelt es an vielen Stellen an Logik (Wer hat eigentlich die Nerven, als Geisel mit einer anderen Geisel zu flirten? Und warum haben eigentlich Romanfiguren, die sich in ausweglosen Situationen befinden, grundsätzlich nie ein Handy dabei?), Koontz’ Versuche, mit gelegentlichen Humor- und Philosophieeinlagen dem allzu starren Korsett des reinen Spannungsromans zu entkommen, gehen auch meist in die Hose, und ein etwas besseres Ende hätte auch nichts geschadet. Das alles lässt sich an diesem Buch aussetzen.
Eine lange Liste. Und doch ist Trauma kein schlechtes Buch. Weil es in dem, was es in erster Linie ist, unwahrscheinlich gut ist: was Koontz an Feingefühl für Figuren und Logik im Detail fehlt, das macht er mit seinem Gespür für Spannung locker wett. Natürlich ist dieses Buch nicht die literarisch anspruchsvollste Variation des Themas der Vorhersehung – aber mit Sicherheit eine der spannendsten.