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Geschrieben von Jörg von Bilavsky, am 06-02-2007 11:00
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Michael Crichton : Next - Michael Crichton deckt in "Next" die üblen Machenschaften der Biotech-Mafia aufFür eine Handvoll Gene
Michael Crichton deckt in "Next" die üblen Machenschaften der Biotech-Mafia auf

Sollten wirklich Gene existieren, die uns Menschen gesellig, unterwürfig oder herrschsüchtig machen? Seriöse Wissenschaftler bestreiten dies. Noch. Ehrgeizige, mitunter skrupellose Forscher hingegen lassen es auf Laborversuche ankommen und klonen, was das Erbmaterial hergibt:  Zum Wohle ihrer Reputation oder ihres Kontostandes. Selten jedoch ausschließlich zum Wohle der Menschheit, wie Michael Crichton in seinem Biotechthriller "Next" an zahlreichen Beispielen vorführt.  

Wieder einmal vermischt der Doyen des Wissenschaftsthrillers Gegenwart und Zukunft, das Machbare mit dem Denkbaren und gelegentlich geht auch die Phantasie mit ihm durch. Schließlich will Crichton seinen Lesern einen denkwürdigen Schauder verpassen, wenn er von einem rechenwütigen Papagei, fluoreszierenden Schildkrötenpanzern oder einem androiden Schimpansenjungen namens Dave erzählt. Aber das sind nur einige der gentechnischen Höchstleistungen. Im Kern geht es dem auf Moral und Sitte geeichten Amerikaner um das Recht aufs eigene Gen, den eigenen Körper. Ein unveräußerliches Menschenrecht, dass in seinem Roman die kalifornische Firma BioGen mit juristischen wie kriminellen Mitteln auszuhebeln versucht und auch vor einer menschlichen Hetzjagd nicht zurückschreckt.

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Jagd nach den Genen


Die junge aufstrebende Bio-Tech-Firma ist – oder besser gesagt – war im Besitz einer Zelllinie, aus der sich krebshemmende Gene isolieren lassen. Entnommen aus den Organen des ehemals leukämiekranken Patienten Frank Burnet. Sein Körper produzierte während der erfolgreichen Therapie so genannte Zytokine, krebsbekämpfende Eiweiße. Seine Ärzte fackelten nicht lange, entnahmen Stammzellen, die sie für gutes Geld an BioGen verkauften, ohne dass der Patient davon wusste oder je einen Cent für seine Gewebespende gesehen hätte. Er klagte, ohne Erfolg! BioGen werden per Gerichtsentscheid die Rechte an seinem Erbgut auf ewige Zeiten entzogen. Als die Zelllinie plötzlich kontaminiert ist, steht Burnet natürlich als Erster unter Verdacht. Während Burnet nun für unbestimmte Zeit untertaucht, machen "Kopfgeldjäger" Jagd auf seine Tochter und seinen Enkelsohn. Denn auch in den Nachfahren schlummert ja das begehrte Gen. Soweit der von vielen Erzählschichten überlagerte Kern der Geschichte.

Crichton kann es nämlich nicht lassen, diesen an sich schon recht abenteuerlichen, gegen Ende rasant auslaufenden Plot um zahlreiche Nebenschauplätze zu erweitern. Fiktive und reale Zeitungsmeldungen aus der Welt der Wissenschaft einzustreuen, um das Ausmaß und die Absurdität der Genforschung gleichermaßen sichtbar zu machen. Da ist dann schon mal von den Genen der ausgestorbenen Neandertaler und denen der angeblich bald aussterbenden Blondinen die Rede. Als Laie fragt man sich immer wieder: Was ist Fakt, was ist Fake?

Dichtung oder Wahrheit


Aber genau darin besteht das Problem eines Autor, der über die Gefahren und Auswüchse der Gentechnologie unterhaltsam aufklären will. Als fabulierender Schriftsteller verliert er sich oft in den Weiten der Phantasie und als ethisch ambitionierter Wissensvermittler klebt er wiederum an Details und seiner humanen Botschaft. Welche er in seinem erläuternden Nachwort noch einmal Punkt für Punkt bekräftigt und interessierteren Lesern eine kommentierte Literaturliste nachreicht.     

Hier wird fündig, wer nach populärwissenschaftlichen Darstellungen zum Thema sucht. Wer ein filmreifes Skript mit Action, Comedy und Human Interest sucht, halte sich an die gut 500 Seiten dieses Romans. Und man merke sich dabei den Satz eines kritischen Geists in diesem Buch: "Bei dem, was Akademiker heute so erzählen, sollte man sehr skeptisch sein." Gleiches  gilt natürlich auch für Crichton selbst, der es dem Leser nicht immer leicht macht, zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden.

FAZIT: Die Moral von der Geschicht': Gene patentiert man nicht!

Michael Crichton
Next
Originaltitel: Next.
Übersetzt von Klaus Timmermann, Ulrike Wasel
Karl Blessing Verlag, Januar 2007
460 Seiten, EUR 22,95
ISBN 3896673378

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Letztes Update: 06-02-2007 14:46

Veröffentlicht in : Buch, Krimi / Thriller
Schlüsselworte : genforschung, gene, crichton, next, 3896673378, biotech-mafia, biotech
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