Die Mädchen lächeln in die Kamera, lassen sich fotografieren, während sie den Traum von der großen Modellkarriere träumen. Dass diese Miss-Hessen-Wahl für einige von ihnen tödliche Folgen haben wird, ahnen sie nicht.
Aisha Khan, Volontärin beim Frankfurter Tagesjournal, ist nicht gerade begeistert, dass sie über Themen wie die Wahl der Miss Hessen berichten muss. Da ist die Tote mit der Kaiserschnittnarbe und der geheimnisvollen Tätowierung am Handgelenk doch viel interessanter. Als Aisha der Polizei helfen kann, das verschwundene Baby aufzuspüren, wird sie in das elitäre Ermittlerteam um Kommissar Covacz aufgenommen.
Während in Frankfurt die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, sorgen sich in Prag zwei Eltern um ihre verschwundene Tochter. Sie schalten den Privatermittler Mirko Stern ein, die Spur der Verschwundenen aufzunehmen, die in Deutschland ihre Modellkarriere ins Rollen bringen wollte. Mirko übernimmt den Auftrag, doch in seinem Herzen verfolgt er noch andere Ziele: Rache an einem ehemaligen Freund, dessen krumme Geschäfte für den Tod seiner Schwester verantwortlich waren.
Anzeige Puppenjäger ist das Gemeinschaftsprodukt der Krimiautoren Gabriele Keiser und Wolfgang Polifka. Passend zum Programm des Gmeiner Verlags ist der Schauplatz – wenigstens auf den ersten Blick – Frankfurt. Doch auf den zweiten Blick erweist sich Puppenjäger als ungewöhnlich international. Nicht nur die Schauplätze wechseln zwischen Deutschland, Tschechien und dem glamourösen Dubai, auch die handelnden Figuren sind so international, dass es beinahe aufgesetzt wird. Die Heldin ist Deutsch-Türkin, die Männer in ihrem Leben polnischen und jüdischen Ursprungs, einer der Ermittler ist schwarz.
Trotzdem gelingt es dem Autorenduo, sympathische Charaktere zu entwerfen, die zwar dem gängigen Schema folgen, Aishas widerwillige Romanze mit dem gut aussehenden Kommissar oder ihre langsame Akzeptanz in und einer von Männern dominierten Einheit, die aber trotzdem beim Leser Interesse wecken.
Spannend und überzeugend wirkt vor allem die Fähigkeit von Keiser und Polifka, die verschiedenen Handlungsstränge zu einem überzeugenden Knoten zusammenzufassen, ohne dass der Leser den Überblick verliert. Die Misswahl, der Mord, das Baby, die ermordete Schwester, alles dient dem Vorantreiben der Handlung und ergibt am Ende einen Sinn. Dass die Autoren dabei manchmal etwas zu dick auftragen, erscheint angesichts der Vorzüge des Plots eigentlich unnötig, ist aber auch nicht weiter störend.
Fazit: Raffinierter Multi-Kulti-Krimi mit einigen Übertreibungen