Wie jedes Jahr um die Herbstzeit wird die Region rund um den Po vom Hochwasser heimgesucht. Die Polizei und das Militär haben alle Hände voll damit zu tun, die Einwohner aus ihren Häusern zu evakuieren, doch die Alteingesessenen verlassen sich trotz Anweisung des Präfekten auf ihr Gespür. In einer alten Kneipe ausharrend behalten sie den Wasserstand genauestens im Auge. In einer nebeligen Nacht macht sich der erfahrene Schiffer Anteo Tonna mit seinem Lastkahn auf den Weg. Doch seltsame Dinge gehen an Deck des Kahns vor.
Das Seil wurde abgeschnitten und das Licht geht abwechselnd an und aus. Nachdem der Kahn sogar mit einem Brückenpfeiler kollidiert, erweckt es gar den Anschein, als sei Tonna gar nicht an Deck. Schließlich wird der Kahn führerlos flussabwärts gefunden, das Beiboot ist verschwunden und auch von Tonna fehlt jede Spur.
Zeitgleich stürzt Tonnas Bruder Decimo in einem Krankenhaus aus dem Fenster und verstirbt auf der Stelle. Comissario Soneri übernimmt die Ermittlung. Schnell stellt sich heraus, dass Decimo ermordet wurde. Anteo Tonna bleibt jedoch weiterhin verschwunden, ein Mord ist auch in diesem Fall nicht ausgeschlossen. Soneri beginnt, einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen zu suchen, doch wer hätte einen Grund die Brüder zu ermorden? Kann es wirklich an ihrer scheinbar faschistischen Vergangenheit liegen, die nun mehr als 50 Jahre her ist oder war Decimos Tod doch ein Unfall und Anteo wurde umgebracht, weil er illegal Einwanderer transportierte? Die Einwohner scheinen mehr zu wissen, doch schweigen sie beharrlich.
Soneri ist ein typischer Kommissar, der neben seinen Ermittlungen ein reges Liebesleben führt und dabei sogar einen vermeintlichen Tatort zum Liebesnest kürt. Comissario Soneri scheint jedoch trotz alledem nicht in das übliche Raster des begehrten und potenten Ermittlers zu passen, im Grunde sehnt er sich förmlich nach einem geregelten Familienleben. Sein Spürsinn lässt ihn jedoch nicht im Stich. Obwohl er von seinen Vorgesetzten aufgrund der schleppenden Ermittlungen ständig unter Druck gesetzt wird, gelingt es ihm schließlich, den zunächst im Nebel verschollenen Tonna wiederzufinden und den Tod der Brüder aufzuklären.
Valerio Varesi entwickelt in seinem Krimi eine spannende Handlung, die sich bis zur letzten Seite ins schier Unermessliche steigert. Auch die graue neblig-nasse Witterung erzeugt eine ungemütliche und geheimnisvolle Atmosphäre, von der die Spannung eindeutig partizipiert.
Alles in Allem ist Der Nebelfluss ein perfekt komponierter Krimi, der sowohl durch die Handlung als auch durch die Atmosphäre den Leser in seinen Bann zieht.
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Valerio
Varesi Der Nebelfluss Comissario Soneri such eine
Leiche (Originaltitel: Il fiume delle nebbie) Aus dem Italienischen
von Karin Rother Kindler: Rowohlt Verlag, März 2005 283 Seiten,
EUR 18,90 ISBN 3-463-40468-0