Emilie wächst bei ihrem Vater auf Selden Manor auf. Mrs. Gill, die Kräuterkundige und Hebamme des Dorfes, ist hier Haushälterin und kümmert sich um das Mädchen, während ihr Mann die Ländereien verwaltet und dem Vater als alchemistischer Assistent zur Seite steht. Da John Selden keinen männlichen Erben hat, gibt er sein Wissen an seine Tochter Emilie weiter. Stunde um Stunde verbringt sie in seinem Labor.
Nach dem Tod von Reverend Gilbert kommt Anfang des Jahres 1724 ein neuer Pfarrer in die Gegend. Er ist, so schätzt Emilie, noch keine dreißig. Sie, die kaum Kontakt zu anderen Menschen hat, ist fasziniert von ihm. Auch er ist an den Naturwissenschaften interessiert. So sind Emilie und ihr Vater bald nicht mehr allein im Wald unterwegs. Sie wünscht sich mehr Austausch, doch ihr Vater zerstreitet sich mit Shales, der nichts mit Alchemie zu tun haben will. Die Experimente Seldens sind für ihn eine Form von Blasphemie. Emilie ist unschlüssig, wer von beiden am meisten Unrecht hat.
Emilie und ihr Vater beginnen dennoch mit einem neuen alchemistischen Experiment, werden aber unterbrochen, als ein Fremder ankommt. Emilie verliebt sich Hals über Kopf in Robert Aislabie. Selden ist nicht begeistert von dem Mann, der nach seiner Meinung seine waren Absichten verbirgt. Da ihr Vater ihm nicht weiterhelfen will, bietet Emilie ihre Hilfe an. Als Selden geschäftlich nach London reist, kommen die beiden sich näher. Emilie ist froh, endlich einen Zuhörer gefunden zu haben, auch wenn es Aislabie glaubt, dass sie als Alchemistin ihn zu Reichtum verhelfen kann, indem sie für ihn Gold herstellt. Emilie wird auch von Pfarrer Sheldon eindringlich vor Aislabie gewarnt. Doch Emilie schlägt alle Warnungen in den Wind. Sie kann nicht anders, den Verführungskünsten Aislabies ist sie nicht gewachsen. Emilie muss ihn schließlich heiraten, da sie schwanger ist.
Anzeige „Die Tochter des Alchemisten“ ist ein sehr spannender historischer Roman. Was recht romantisch anfängt, wächst sich bald zu einem handfesten Drama aus. Das gewohnte ruhige Leben von Emilie gerät völlig aus der Bahn. Ihre Lebensgeschichte birgt zudem ein großes Geheimnis, was es aufzudecken gilt. Es ist interessant, zu beobachten, wie die sehr behütete, streng erzogene und doch fast weltfremde junge Frau nun ihren Weg geht oder besser gesagt, entlang stolpert.
Das Buch liest sich ganz wunderbar, ist sehr unterhaltsam. Der Autor überrascht mit immer neuen Hintergründen zu Emilies Leben. Die Charaktere sind durchweg sehr interessant und gut geschildert. So kann man sich ohne Mühe in diesen Roman hineinversetzten, der einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.
Katharine McMahon Die Tochter des Alchemisten Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Knaur Taschenbuchverlag
521 Seiten, broschiert, 8,95 Euro
ISBN: 978-3-426-63470-7