Schon in der Schwangerschaft wird der Nachwuchs akribisch überwacht, schließlich gibt es eine Vielzahl von Risikofaktoren. Sind die Kinder dann auf der Welt, wird weiter vorgesorgt und behütet, als ob die lieben Kleinen in einer Gefahrenzone aufwachsen. Die Erziehung artet in Stress aus.
Glaubt man der Autorin, so sind Eltern heute von einer völlig übersteigerten, ja krankhaften Angst geprägt, was ihre Kinder betrifft. Angeblich werden diese ständig überwacht und praktisch nicht mehr aus den Augen gelassen. Die Zeit der Kinder wird komplett verplant. Sorgloses Spielen ohne Aufsicht gibt es nicht mehr.
Für Kinder hat das Folgen. Sie übernehmen die Angst ihrer Eltern und werden lebensuntauglich. Sie sind nicht in der Lage sich durchzusetzen oder eigene Entscheidungen zu treffen. Kinder werden mit mütterlicher Fürsorge geradezu erstickt. Jede Freiheit wird ihnen genommen.
Anzeige Zitat von Seite 137: „Kinderleben heute erinnert schon mal an das Dasein von Laborratten. Die freie Wildbahn ist ihnen verwehrt. Und damit wichtige Erfahrungen wie Alleinsein, Langeweile, langes Hadern mit sich selbst, einen Wettkampf selbst auszurichten.“
Die Autorin zeichnet ein sehr einseitiges Bild der Eltern und insbesondere der Mütter von heute. Schon nach kurzer Zeit hat man begriffen, was die Autorin sagen will. Trotzdem wird man immer weiter zugetextet, ohne Punkt und Komma. Klar gibt es sie, die überängstlichen Mütter, aber der Normalfall ist das nicht. Die Autorin reitet aber auf dem Thema herum, die dies behaupten. Dabei wiederholt sie sich ständig. Spätestens ab Seite 50 wird es langweilig. Ihre Zielgruppe erreicht die Autorin so sicherlich nur schlecht. Für viele Mütter dürfte das Buch eher eine Beleidigung sein, was an dem sarkastischen Ton liegen mag, den die Autorin immer mal wieder anschlägt.
Aufschlussreich dagegen ist das Interview mit Sigrid Tschöpe-Scheffler, Professorin für Erziehungswissenschaft und Direktorin des Institutes für Kindheit, Jugend und Familie an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften Köln. Die hier gegebenen Ratschläge kann man annehmen, so wie sie sind. Hier wird das Buch, das kein Ratgeber sein will, zu eben solchem. Auch das Kapitel „Ist Kindheit wirklich gefährlicher geworden?“ geht realistisch mit dem Thema um und liefert wichtige Informationen.