Sympathisch ist er, unser ‚Mann im All’ und Thomas Reiter, Wissenschaftler und Astronaut, mittlerweile schon richtig erfahren in All- Ausflügen, er ist heil wieder gelandet. Was da alles dank neuster Technik und ausgetüfteltster Kommunikationstechniken möglich ist, das konnte während der letzten Weltrau- Reise jeder miterleben, da wird gechattet, Video-Konferenzen sind möglich, Telefonkontakte, das Leben der Astronauten an Bord der Raumstation ISS, es ist so transparent, als gehörten die Männer zum erweiterten Familienkreis. Unwirklich bleibt es für die Daheimgebliebenen dennoch, spannend und voller Geheimnisse und einer unbändigen Faszination.
Passend zur Rückkehr der Astronauten zum Weihnachtsfest 2006 erscheint ein Bildband, der die Leidenschaft für ferne Weiten und vielleicht ja ferne Welten schürt und mit spektakulären Bildern neu entfacht. Ein Bildband, der, kaum vorstellbar, noch jenseits aller Begeisterung über Weltraum- Erkundungen von Reiter und Co liegt: Satellitenbilder der Extraklasse. Unser Sonnensystem, die Milchstrasse und ferne Galaxien. "Es gibt kein Ende, keine Grenze, keinen Rand. Es geht einfach immer weiter in diesem von samtigen Leuchten der Sterne durchsetzten tiefschwarzen Raum. Das ist der Punkt, an dem meine Vorstellung versagt, an dem ich eine Gänsehaut bekomme und mich in dem Sessel, von dem aus ich den Himmel beobachtet habe, plötzlich unendlich geborgen fühle." Treffender als Thomas Reiter dies im Vorwort tut, kann man- als Laie ohnehin nicht- die Faszination wohl nicht beschreiben, die von Sternen, Planeten, schwarzen Löchern, Kometen und Sternschnuppen ausgeht..
Anzeige Immer weiter reichen die Aufnahme- Möglichkeiten von Weltraumteleskopen, immer schärfere Bilder, immer raffiniertere Präsentationen. Und dann eine brillante Autorin, die schon als Kind "wie besessen vom Himmel" war. Die sich als studierte Astrophysikerin und nach ihrer Lehrtätigkeit als Professorin entschied, ihre Leidenschaft fürs Weltall weiterzugeben, als Wissenschafts- Journalistin multimedial. Das kann sie, eine einfache Sprache zeigt klar strukturierte Zusammenhänge auf, so populär wie möglich, so wissenschaftlich wie nötig. "Willkommen in der Kunsthalle Weltall" so lädt die Wissenschaftlerin ein, sie, der einst eine Sternschnuppe den Weg wies.
Da gibt es hinreißende Bilder mit langen Belichtungszeiten, die von geradezu dramatischen Geschehnissen zeugen. "Zwei Meteore rasen über den Südhimmel und hauchen ihr Leben aus. Diese winzigen Teilchen interplanetaren Schutts treten mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/s in die Erdatmosphäre ein, wo sie starke Reibungskräfte zum Verglühen bringen." Beschreibungen, die neben aller Sachlichkeit und Fachwissen immer wieder auch die Leidenschaft spüren lassen. Da gibt es "geisterhaft leuchtende kosmische Quallen", "heftige Sternwinde", und Nebel, der "wie eine kosmische Perlenkette aussieht".
Erklärungen über das Licht, seine Botschaften und die Informationen anderer Strahlen. "Was wir vom Weltall sehen, ist nur ein Bruchteil des Ganzen, sozusagen die mittlere Oktave auf dem Klavier. Die Strahlung aus dem Kosmos reicht von den Basstönen der Radiowellen bis zum höchsten Sopran der Röntgen- und Gammastrahlen." Ein klug strukturiertes Buch, ausgehend von unseren engsten Nachbarn, dem Mond und der Sonne, bis hin zu fernsten Galaxien, von unserem Anfang zum großen Urknall. Und ob wir den Mondaufgang über dem Meer bewundern, oder den Erdaufgang von Apollo 8 aus sehen, die Perspektive wird beim Blättern immer gleichgültiger, denn eines bewirken die Bilder allemal: irgendwie hebt man ab, verliert den Teppich unter den Füßen, und stellt verzaubert fest: "...dass wir in einem wahrhaft phantastischen Kosmos leben."