Ein toter Lehrer ist für viele sicher ein Anlass zur Freude, doch wenn besagter Kollege im Lehrerzimmer zusammenbricht und alle Anzeichen auf Mord deuten, dann kann eine Schule schon mal in Bedrängnis geraten. Tatverdächtige gibt es darüber hinaus zu Hunderten, denn Kollege Wohlfang hat es verstanden, sich Feinde zu machen...
Wegen Renovierung der Grundschule wird die vierte Klasse von Helga Renner in den Keller des benachbarten Gymnasiums ausgelagert. Das ist nicht nur Grund zur Freude, denn es gibt einiges Naserümpfen über die Grundschüler und ihre Lehrerinnen. Da macht Helga sich lieber rar. Doch als Studienrat Wohlfang mit einer Pflanzenschutzmittelvergiftung im Lehrerzimmer zusammenbricht, fängt ihre Spürnase an zu vibrieren.
Schon die ersten Gespräch im Lehrerzimmer lassen ahnen, dass der ach so geschätzte Kollege seine Schattenseiten hatte und dass sein Tod nicht nur für Trauer sorgt. Nur die Ehefrau hält eisern zu dem Toten. Dass er eine Geliebte hatte, habe sie gewusst. Aber es sei nichts Ernstes gewesen, ganz sicher nicht ...
Anzeige Mordsgier ist der dritte Fall von Helga Renner, der umtriebigen Grundschullehrerin mit Miss-Marple-Ambitionen. Vor der Kulisse eines Hagener Gymnasiums entwirft die Autorin, die als Lehrerin die geschilderte Atmosphäre selbst bestens kennt, einen klassischen Plot. Der Vergleich mit Miss Marple ist nicht zufällig gewählt. Es gibt einen Toten, eine Reihe Verdächtiger und eine Hobbydetektivin, die mit Ausdauer und Spürnase den Täter zur Strecke bringt.
Aufmerksamkeit könnte Mordsgier allenfalls des geschickt gewählten Schauplatzes erregen. PISA, die Rütli-Schule und die generelle Bildungsmisere lassen beim Thema Bildung automatisch aufhorchen. Passend dazu stellt die Autorin die Schule als Kampfarena dar mit arroganten Lehrern, verwahrlosten Schülern und fordernden Eltern. Schade ist allerdings, dass diese Reizthemen nur oberflächlich gestreift und mehr und mehr zum Lokalkolorit degradiert werden.
Letzten Endes könnte die Handlung von Mordsgier an jedem beliebigen Ort spielen. Schule ist eher Zufall und schlägt in seiner spezifischen Darstellung in die wohlbekannte Kerbe – es gibt Probleme, nur dass sie diesmal aus Sicht der Lehrkörper dargestellt werden. Tiefere Einsichten fehlen jedoch, was bei einem Kriminalroman vielleicht auch zu viel verlangt ist, aber da die Reizthemen nun einmal angesprochen werden, wäre eine etwas detailliertere Darstellung wünschenswert gewesen. Insgesamt ist Mordsgier ein flüssig geschriebener, aber auch sehr konventioneller Krimi, den man leicht liest, aber auch leicht wieder vergisst.
Fazit: Konventioneller Krimi ohne große Nachwirkung.