“Manchau gagog changau gagog chaugo gagog amaug”. Die amerikanischen Ureinwohner konnten ihre Umweltpolitik auf diese einfache Formel bringen. Übersetzt bedeutet ihr umweltdiplomatisches Kredo soviel wie “Wir fischen auf unserer Seite, Ihr fischt auf eurer Seite und niemand fischt in der Mitte”. Eine gemeinsame Umweltpolitik von 193 souveränen Staaten und entsprechend unterschiedlichen Interessen und einer Vielzahl von betroffenen Ressourcen lässt sich kaum in eine solch einfache Formel übersetzen. Dem amerikanischen Autorentrio Pamela Chasek, David Downie und Janet Welsh Brown gelingt es jedoch in ihrem “Handbuch Globale Umweltpolitik” die vielfältigen Faktoren und Ausprägungen einer weltweiten Umweltpolitik verständlich auf den Punkt zu bringen.
Umweltprobleme enden nicht an nationalen Grenzen: Luftverschmutzung, verunreinigte Flussläufe oder verschmutzte Meere illustrieren anschaulich, das nur internationales Handeln zu einer Besserung führen kann. Die dringende Notwendigkeit zum gemeinsamen Vorgehen, zusammen mit den immer größer werdenden Folgen menschlichen Handels auf die Umwelt, beispielsweise dem Kohlendioxidaustoß und seinem Einfluss auf das Weltklima, machen es unabdingbar, sich mit dem Zusammenspiel von Ökologie und Wirtschaft zu befassen. Wie kann Politik lenkend eingreifen und wie können Nationalstaaten als überregionale Akteure steuernd wirken?
Anzeige Zentral für diese Fragestellung ist das so genannte Allmende-Dilemma. Damit ist die Ausbeutung eines allgemein Verfügbaren Gutes gemeint, ohne das Rücksicht auf mögliche unumkehrbare Schäden für die Allgemeinheit genommen wird. Solche Güter ist beispielsweise die Luft: Unternehmen und Privatpersonen nutzen sie ohne persönliche Verantwortung für die negativen Auswirkungen ihres Handelns übernehmen zu müssen. Eine nachhaltige Nutzung eines solchen Gemeinschaftsgutes muss durch Normen und Gesetze geregelt sein, so dass die allgemein verfügbare Ressource zum Vorteil aller genutzt werden kann.
Globale Umweltpolitik steht vor der Herausforderung, wirtschaftliche, nationalstaatliche und ökologische Interessen konstruktiv zusammenzuführen. Die Autoren erläutern im ersten Kapitel verständlich das Aufkommen und die Herausforderungen der globalen Umweltpolitik. Sie gehen unter anderen der Frage nach, welche Einflussmöglichkeiten wirtschaftliche starke Staaten haben, wie sich ein Veto in internationalen Verhandlungen auswirken kann und welche internationalen Koalitionen im Laufe der Zeit welche Ziele verfolgen.
Im zweiten Teil des Handbuches gehen Chasek, Downie und Brown auf die verschiedenen Akteure globaler Umweltpolitik ein. Die Rolle von Nationalstaaten und internationalen Organisationen sowie Konzernen wird ebenso dargestellt wie der Einfluss von Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace oder Robin Wood.
Schließlich werden die theoretischen Ausführungen an mehreren Fallbeispielen, beispielsweise zur Luftverschmutzung und zum Klimawandel, anschaulich dargestellt um in den letzten beiden Abschnitten des Buches auf Hindernisse und Chancen globaler Umweltpolitik und ihrer möglichen zukünftigen Entwicklung einzugehen.
Den Autoren ist eine sehr anschauliche und gut verständliche Darstellung eines komplexen Sachverhaltes gelungen, welche der großen Vielschichtigkeit des Themas mehr als gerecht wird. Besonders die prägnanten Zusammenfassungen zum Ende der jeweiligen Abschnitten mit anschließenden Diskussionsfragen regen nicht nur zum Nachdenken über Umweltfragen an, sondern sind auch für Lehrer und Dozenten, die das Thema im Unterricht behandeln, sehr hilfreich.
Das “Handbuch Globale Umweltpolitik” ist eine übersichtliche und gut verständliche Darstellung der gegenwärtigen weltweiten Situation und ihrer Entstehungsgeschichte. Die Struktur und die Aufbereitung des Themas sind sehr gelungen. Die Vielzahl von Diskussionsfragen gestalten das Buch zudem sehr anregend. Insgesamt eine lohnende Anschaffung, für alle, die mit dem Thema täglich arbeiten oder sich einen schnellen aber tiefgehenden Überblick verschaffen wollen.