In die Welt der chinesischen Mythologie entführt der bekannte Jugendbuchautor Kai Meyer mit seinem Roman Seide und Schwert, der eine brillante Mischung aus fantastischer Erzählung und realistischem Erzählen ist. Hauptfiguren sind die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere Nugua und Niccolo, die aus vollkommen unterschiedlichen Welten stammen.
Nugua ist ein junges Mädchen, das unter Drachen aufwuchs, fernab von allen Menschen. Es kennt weder seine wahre Herkunft, noch weiß es etwas über seine "Menschenfamilie". Doch eines Tages sind die Drachen, ihre engsten Vertrauten, plötzlich verschwunden. Nugua haben sie nicht mitgenommen und das Mädchen weiß auch nicht, wohin die Drachen gegangen sind. So macht sie sich auf die Suche nach ihnen. Eines Tages begegnet sie dabei einem Jungen, der wie die Drachen zwei goldene Augen hat. Etwas ganz Besonderes! Welche Verbindung mag es zwischen ihm und den Drachen nur geben?
Der Junge ist Niccolo, der zu einem ganz besonderen Volk gehört: dem Wolkenvolk. Dieses lebt schon seit Jahrhunderten nicht mehr auf der Erde, sondern auf den Wolken hoch oben am Himmel. Doch das Wolkenvolk ist vom Untergang bedroht, denn die Wolken sind "vom Himmel gefallen". Ihnen ist der lebenswichtige Äther entzogen worden, den nur Drachen produzieren können. Niccolo wird zur Erde geschickt, er soll einen Drachen finden, der das Wolkenvolk retten kann.
Anzeige Zu den beiden Kindern gesellt sich dann noch eine mehr als merkwürdige Gestalt, die halb Mensch, halb Drache zu sein scheint. Doch schon bald erfahren Nugua und Niccolo, dass dieses Wesen nur ein Kostüm trägt, das ihm auf den Leib gewachsen ist.
Auf der Suche nach dem Drachen haben die drei so unterschiedlichen Figuren manches Abenteuer zu bestehen. Sie begegnen sie Wisperwind, einer jungen Frau, die mit ihren magischen Schwertern jeden besiegen kann, aber auch höheren Mächten, die das Bewusstsein kaum fassen kann, wie den acht Unsterblichen, die dann doch nicht so ganz unsterblich sind, wie man vermuten könnte. Denn eine Person scheint den Göttern gewachsen zu sein: Mondkind. Sie verfolgt die Unsterblichen hemmungslos und scheint selbst halb Mensch, halb Gott zu sein.
Und dann geht es in diesem Buch auch um das Thema Liebe und Eifersucht – doch zwischen welchen Personen sich diese feinen Bande spinnen, sei hier nicht verraten.
Kai Meyer legt mit Seide und Schwert den ersten Band einer Trilogie vor, die tief in die chinesische Geschichte und Mythologie eindringt. So werden die Leser mitgerissen in die Zeit der Qing-Dynastie um 1760 nach Christus in China. Diese Dynastie ist übrigens vom Autor nicht frei erfunden, sondern wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von den Mandschu, einem Volk im Nordosten Chinas, begründet. Die Qing-Dynastie endete erst 1911 mit der Errichtung der chinesischen Republik und der Absetzung des letzten chinesischen Kaisers.
Natürlich spielen auch die Drachen in der chinesischen Mythologie eine wichtige Rolle. Während in der westlichen Welt Drachen als böse Ungeheuer galten, die in der mittelalterlichen Literatur vor allen Dingen von tapferen Rittern bekämpft wurden, gelten sie in China bis heute als echte Glücksboten und sind auch tief verwurzelt im chinesischen Horoskop. Mit Beginn der Qing-Dynastie setzte man übrigens das Kaiserhaus oft in Assoziation zu Drachen – Drachenthron und Drachenboote sind nur zwei Dinge, die auch dem heutigen westlichen Leser durchaus noch ein Begriff sind.
Welche Geheimnisse um Nugua, Niccolo und Feiqing, dem merkwürdigen Drachenwesen, wohl noch in den folgenden zwei Bänden gelüftet werden? Diese Bücher werden auf jeden Fall mit großer Spannung erwartet!