„Was macht der Bär im Museum?“ Oder der Tiger? Oder das Stachelschwein? Auf 96 Seiten widmet sich der Bildband den Tierdarstellungen in der Kunstgeschichte. Was auf den ersten Blick wie ein Kinderbuch anmutet, entpuppt sich als vergnüglicher Schmöker für Tier- und Kunstfreunde allen Alters in gelungener Aufmachung.
Das 2002 in Frankreich erstmals erschienene Sammelsurium der Tiere, das nun ins Deutsche übersetzt wurde, überzeugt durch sein kreatives Konzept. Nicht umsonst stellt der Bildband Noahs Arche allen Abbildungen als Leitmotiv voran: Tatsächlich finden sich in dem Buch jeweils zwei Vertreter einer jeden Tiergattung. Getreu der Tradition der kunsthistorischen Pendant-Hängung stellt Claire d`Harcourt auf jeder Doppelseite je zwei Tiere derselben Art nebeneinander – derselben Art, aber nicht derselben künstlerischen Gattung.
Anzeige Denn zum konzeptuellen Glücksgriff des Bildbandes trägt im Wesentlichen dazu bei, dass nicht nur Malerei neben Malerei gestellt wurde, sondern jeweils dasselbe Tier in unterschiedlichen Darstellungsmedien. Zumeist wurden sogar zwei Werke aus gänzlich unterschiedlichen Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden gewählt, so dass der Bildbetrachter auf einen Blick große Entfernungen zwischen den Epochen und den verschiedenen Kulturkreisen miteinander vereinen kann. So steht die stolze Statue der ägyptischen Katzengöttin neben Picassos Gemälde der vogelfangenden Vierbeinerin, während der „beste Freund des Menschen“ als hündische Holzskulptur aus Afrika einem römischen Mosaik entgegenblickt. Das Walross wird gerne als geschnitzter Holzzahn der Inuit verkörpert, während die Fliege sogar als Installation auftritt oder der Wolf als kultische Maske grimmt. Aus der Überbrückung der Unterschiede – sowohl in der künstlerischen Machart als auch in der Entstehung – bei gleichem Motiv gewinnt der Bildband also seinen besonderen Reiz, der allzu leicht dazu verlockt, aus einem kurzen Blick ein langes, aber kurzweiliges Blättern von Tier zu Tier werden zu lassen.
Dem bildnerischen Hauptteil schließt sich ein Anhang an, in dem jede Abbildung im Rahmen des Gesamtwerkes gezeigt wird – denn zuvor wurden die Tiere häufig als Ausschnitte von der kompositorischen Bildganzheit losgelöst gezeigt. Kurze Kommentare zu den Werken und ihren Schöpfern machen die Entstehungssituationen plastischer und ordnen die Kunstwerke historisch ein. Die Herausgeberin verpasste es nicht, am Ende in den Bildnachweisen auch die derzeitigen musealen Standorte der abgebildeten Werke mit anzugeben für all die Kunst- und Tierliebhaber, die die Werke auch einmal im Original beschauen wollen.
Fazit: Hinter dem „Bär im Museum“ steht ein rundum überzeugendes Konzept, wodurch der Bildband nicht nur als Schmöker Freude bereitet, sondern auch eine gewitzte Aussagekraft in kunsthistorischer Sicht gewinnt. Insbesondere als Geschenk dürfte sich die „Bildergalerie auf 96 Seiten“ eignen.
Claire d`Harcourt Was macht der Bär im Museum? Tiere in der Kunst Knesebeck, 2006
96 Seiten, 24,95 Euro (gebundene Ausgabe)
ISBN-10: 3896603817
ISBN-13: 978-3896603814