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Briefe aus dem Orient PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Redaktion, am 21-12-2006 12:00
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BRIEFE AUS DEM ORIENT

Frauenleben im 18. Jahrhundert

Am 1. August 1716 besteigen eine schöne junge Frau, ein stattlicher Herr und ein kleiner Junge in London eine vornehme Reisekutsche. Ihr Ziel: der Orient, das damalige Osmanische Reich. Die junge Lady heißt Mary Wortley Montagu, Tochter aus vornehmem Haus. Ihr Ehemann ist Mitglied des Parlaments und soeben zum Botschafter in Konstantinopel berufen worden, mit ihnen reist Edward, der erste Sohn des Ehepaares. Kurz nach der Ankunft am Bosporus wird die Tochter geboren.

Während ihres Aufenthaltes im Nahen Osten lässt Lady Montagu ihre Bekannten und Freunde anhand von Briefen an ihren Eindrücken und Erlebnissen teilhaben. Lady Montagus unterhaltsame „Briefe aus dem Orient“ werden von den Adressaten in England zunächst von Hand zu Hand weitergegeben, dann 1763 in Buchform vorgelegt und bis heute immer wieder neu aufgelegt.

Ihren dauerhaften Erfolg verdanken Montagus Briefe einerseits ihrer literarischen Qualität und Originalität und dem unterhaltsamen Ton, um den sich die Schreiberin stets bemühte. Doch das große Interesse an den Briefen liegt nicht nur am Schreibstil. Der Orient ist damals ganz allgemein in Mode. Das Morgenland offenbart sich der westlichen Welt als unermessliche, märchenhafte Schatztruhe.

Orientalisches Ambiente, orientalische Kleidung auf zahlreichen Porträts und nicht zuletzt das Sujet des Orients in den Libretti von Opern und Singspielen geben davon bis heute ein beredtes Zeugnis. Auch Lady Montagu kleidet sich ganz im Stil der orientalischen Frauen mit weiter Hose, Kaftan und einer Robe darüber. Sie trägt den türkischen Schleier, den Jaschmak, um „ungeniert herumreisen zu können, und um eine Leidenschaft zu befriedigen, die bei mir so mächtig geworden ist: meine Neugierde“. Sie fühlt sich in dieser Kleidung so frei wie die türkischen Frauen, die sie für „vielleicht freier als alle übrigen des Erdbodens“ hält. Als sie das erste Mal ein türkisches Frauenbad besucht, erregt sie die Neugier der Frauen vor allem aufgrund ihres Korsetts, der „Schnürbrust“, wie die Türkinnen das nennen. „Ich bemerkte, sie glaubten, dass ich in diese Maschine eingeschlossen wäre und es nicht in meiner Gewalt hätte, sie zu öffnen, welche listige Erfindung sie meinem Gemahl zuschrieben.“

Den Originaltexten vorangestellt wird eine Einleitung der Herausgeberin über die Tradition der weiblichen Orientreisen sowie ein Porträt von Lady Montagu (1689 – 1762). Literaturhinweise und eine kurze Darstellung über das Osmanische Reich ergänzen die Auswahl der Originaltexte.

„.. eine durchaus eigenwillige Einschätzung der Welt und der in ihr existierenden Tatsachen“

Neue Zürcher Zeitung

Die Herausgeberin:

Irmela Körner ist freiberufliche Journalistin. Sie studierte Geschichte und Politikwissenschaft und arbeitet als Journalistin für Zeitungen und Hörfunk. Zuletzt gab sie im Promedia Verlag eine Anthologie reisender Frauen heraus: „Frauenreisen nach Italien. Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts beschreiben das Land ihrer Sehnsucht.“

"Mary Wortley Montagu: Briefe aus dem Orient"
Edition Frauenfahrten
Gebunden, 256 Seiten
Illustriert mit Lesebändchen
ISBN 3-85371-259-2
Herausgegeben von Irmela Körner
Preis:  21,90 Euro, 37,20 sFr.


Letztes Update: 21-12-2006 11:54

Veröffentlicht in : Magazin, Kulturnews
Schlüsselworte : Irmela Körner, Körner, Monatgu, Mary Wortley Montagu
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