Geschichten aus dem deutsch-türkischen Alltag vermag der Satiriker Osman Engin mit so viel Witz und hintergründigem Charme zu erzählen, dass es eine Freude ist, seine kleinen, manchmal ans sarkastische gehenden Geschichten mit Wohlgefallen zu lesen. So ist es auch bei seinem neuesten Werk "Getürkte Weihnacht", bei dem der Türke Osman auch das größte Jahresfest der "Eingeborenen", nämlich Weihnachten, stilvoll feiern möchte.
Und wie das bei einer echten Satire eben so ist, stellt der Autor manches herrlich überzogen dar. Wie wir Deutschen uns abmühen, dem Fest der Feste einen besonderen Glanz zu verleihen, und wie er es, Osman, der Türke, der von christlichen Traditionen so viel Ahnung hat, wie der Stier vom Fischfang, es tatsächlich schafft, alles noch viel größer, bunter und übertriebener in seiner Familie zu verwirklichen. Das fängt beim riesigen Weihnachtsbaum an, den Osman für viel Geld kauft, der aber schon beim Transport durch den Hausflur all seiner wunderschönen Nadeln beraubt wird, ohne dass er jemals die Chance gehabt hätte, Träger einer Weihnachtskugel geschweige denn einer Weihnachtskerze zu werden.
Anzeige Oder wie die Geschichte vom "Weihnachts-Probelauf" am "Tag der Deutschen Einheit", als alle Nachbarn mit glänzenden Augen vor Osmans Baum stehen und ihn bewundern. Ja, wer unser Fest und unsere Bemühungen einmal aus einem anderen kulturellen Hintergrund ergründen und betrachten möchte, der ist bei Osman Engins Buch schon ganz richtig aufgehoben. Und wird sich vielleicht, ganz vielleicht in der ein oder anderen Episode des türkischen Satirikers selbst sehen können...