Nach außen ist Rolf Lura ein erfolgreicher Geschäftsmann, vorbildlicher Chef und liebender Ehemann. Doch eines Tages verschwindet er spurlos und vor Kommissarin Durants entsetzten Augen enthüllt sich ein vollkommen anderes Bild. Als es nicht viel später zur Katastrophe kommt, ist sie bereit, Lura alles zuzutrauen, auch einen Doppelmord.
Rolf Lura ist das beste Beispiel für das Sprichwort "Es ist nicht alles Gold was glänzt." Als Kommissarin Durant mit ihren Kollegen die Spur des verschwundenen Saubermanns verfolgt, kristallisiert sich immer mehr das Bild eines wirklich üblen Zeitgenossen heraus, der nicht nur seine Frau und seine immer wechselnden Geliebten mit seinem Sadismus quält. Einzig Luras Mutter ist fest davon überzeugt, dass ihr Sohn der Nabel der Welt ist.
Eine Inhaltsangabe von Andreas Franz' Spannungsroman zu geben, ist insofern schwierig, als die Handlung mit immer neuen Wendungen und Überraschungen aufwartet, die man besser nicht verraten sollte. Denn gerade in diesem wechselvollen Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Polizei und dem Täter besteht der Reiz von Das Verlies. Schade ist allerdings, dass Sprache und Charakterzeichnung bei diesem Anspruch nicht ganz mithalten können.
Insbesondere letztere ist bisweilen von einer beinahe ärgerlichen Schwarz-Weiß-Malerei. Der Leser erhält geradezu den Eindruck, als versuche Franz mit seiner reißerischen Darstellung häuslicher Gewalt über gewisse Schwächen in der Figurenzeichnung hinwegzuspielen. Innerhalb weniger Seiten wird aus dem Paulus ein sadistischer Saulus, der vor keiner Gewalttat zurückschreckt, um seine Machtpsychosen auszuleben.
Auch das Bild, das von Luras Eltern gezeichnet wird, lässt keinerlei Grautöne zu. Die herrische Mutter mit Putzfimmel und von Affenliebe zu ihrem Sohn besessen und der schwache Vater, dessen Befreiungsversuch zu spät kommt, entstammen mehr einem Groschenroman als dem wirklichen Leben. Diese Vereinfachungen sind insbesondere deswegen schade, weil sie Ansätze zu einer guten Story im Einheitsbrei der Klischees versanden lassen. Unterm Strich bleibt ein spannend geschriebener Thriller, der mehr leider auf Schockeffekte und Tempo als auf Tiefe setzt.