Lizzy Walter - Ende 20 und Single in London - erzählt in Das Haus meiner Träume von ihren chaotischen Männergeschichten und ihrer harmlos verrückten Familie. Während sie versucht ihr Liebesleben in geregelte Bahnen zu lenken, erhält sie zum Weihnachtsfest die Hiobsbotschaft vom Verkauf des Elternhauses. Was so klingt wie ein weiteres Tagebuch von Bridget Jones, ist Harriet Evans erster Roman.
Es ist Weihnachten und Lizzy fährt, wie jedes Jahr, zu ihren Eltern ins Keepers House. Das Landhaus der Familie ist für sie Zufluchtsort vom Stadtleben, von der Arbeit, vom Erwachsensein. Hier fühlt sie sich geborgen und kann in Kindheitserinnerungen schwelgen. Doch dieses Jahr ist alles anders.
Der liebenswert durchgeknallte Onkel Mike taucht überraschend mit einer drallen Blondine auf, die er vor kurzem spontan und heimlich geheiratet hat. Cousin Tom verkündet nach einigen Litern Weihnachtspunsch, dass er schwul sei. Nach der Christmesse trifft Lizzy auf ihren Exfreund David, der nicht einsehen will, warum ihre Beziehung in die Brüche ging – obwohl er es war, der fremdgegangen ist. Doch die Katastrophe bricht erst richtig über Lizzy herein, als ihre Eltern erklären, dass Keepers House verkauft werden muss.
Anzeige Und warum muss das Haus verkauft werden? Aus finanziellen Gründen. Aha! Doch an dieser Stelle wundert man sich nun, warum niemand genauer nachfragt. Warum gibt es kein Gespräch zwischen Eltern und Kindern? Woher kommt der Mangel an Kommunikation in einer so intakten Familie? Und nicht nur die gesamten Walters scheinen unfähig zu sein, miteinander zu reden, auch Lizzys Trennung von der großen Liebe David beruht auf Missverständnissen mangels Kommunikation.
Die gesamte Geschichte kann sich nur entwickeln, weil die Hauptpersonen sich vorwiegend über unwichtige Dinge unterhalten. Über alles andere wird geschwiegen... oder es wird verschwiegen... oder gar gelogen. Kurzum, in diesem Buch gibt es rundum wenig Ehrlichkeit. Selbst die Ich-Erzählerin Lizzy verschließt sich nach der Hälfte des Buches dem Leser. Einen „Roman vom Nach-Hause-Kommen, mit dem sich jede Leserin identifizieren kann“ verspricht der Verlag. Also - ich konnte es nicht.
Der rosa Buchumschlag mit den pastellfarbenen Blümchen hat so manchen Redakteur bei literature.de stutzig gemacht. Ich jedoch als Freundin der leichten Frauenliteratur a la Der Teufel trägt Prada hatte mich auf eine unterhaltsame Lektüre für Zwischendurch gefreut. In den USA nennt man dieses Genre „chicklit“. Doch gibt es auch unter leichter Literatur schwerwiegende Unterschiede. Die Hauptdarstellerin Lizzy Walter ist nicht so sympathisch wie Bridget Jones, und Autorin Harriet Evans schreibt nicht so „leichtfüßig“ wie Candace Bushnell (Erfinderin von Sex and the City).
Die gesamte Erzählung wirkt angestrengt lustig. Es ist wohl schwierig, Situationskomik in Worte zu fassen. Doch das ist keine Entschuldigung, schließlich funktioniert das bei anderen Schriftstellern sehr gut. Die deutsche Übersetzung hält sich oftmals zu nah am englischen Wortlaut fest, so dass es manchmal etwas holprig wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch sich im englischen Original besser lesen lässt.
Wer sich das Telenovela-Schauen abgewöhnen möchte, findet in dieser Lektüre einen befriedigenden Ersatz. Vielleicht setzt Harriet Evans sogar darauf, dass ihr Buch verfilmt wird. Man kann sich diesen Roman nämlich durchaus als Drehbuchvorlage denken. Immerhin arbeitet die Protagonistin selbst als Drehbuch-Doktorin bei einer Produktionsfirma und liebt Filmzitate. Wie wäre es also mit einer deutschen TV-Produktion für den Sonntagabend mit Yvonne Catterfeld und Wayne Carpendale in den Hauptrollen?