Ein blutjunges Mädchen wird tot im Weinberg gefunden. Zuerst weist alles auf einen Unfall hin, doch dann bringt die Spurensicherung das Entsetzliche ans Tageslicht. Die vierzehnjährige Hannah wurde ermordet. Kriminalkommissarin Franca Mazzari ermittelt in ihrem ersten Fall.
Andreas Kilian ist ein Getriebener. Er liebt Mädchen, und zwar Mädchen, die viel zu jung sind für seine Gefühle. Als er sich als Gast auf einem Weingut einquartiert, ist er sofort von der Tochter des Hauses, der vierzehnjährigen Hannah, fasziniert. Körperlich noch kindlich für ihr Alter, ist sie doch erstaunlich reif, und die Gesellschaft des älteren Mannes macht ihr ebenso viel Spaß wie ihm. Sie reden, streifen durch die Weinberge, tauschen Gedanken aus.
Doch dann wird Hannah getötet. Was wie ein Unfall aussieht, stellt sich bald als Mord heraus, und schon gerät Kilian ins Visier der Ermittler. Denn nicht alle Familienmitglieder haben die ungleiche Freundschaft wohlwollend mit angesehen. Und auch Kommissarin Franca Mazzari spiegelt ihr tief verwurzeltes Misstrauen Männern gegenüber in dem Sonderling. Doch es gibt auch andere Spuren, von denen eine in die Schule der Getöteten verweist.
Anzeige Gabriele Keisers Kriminalroman Apollofalter kann man im weitesten Sinn unter den Oberbegriff „Männer und Frauen“ stellen. Ungewöhnlich scharf werden die Trennlinien gezogen und entwickelt. Zum einen ist da die Kommissarin selber, die von Anfang an ungewöhnlich männerfeindlich auftritt. Als gebranntes Kind erwartet sie in jedem Kerl einen Macho und potentiellen Frauenschläger. Zwar weichen im Laufe des Romans ihre Vorurteile auf, doch eigentlich sind es die weiblichen Seiten ihres männlichen Kollegen, die eine Zusammenarbeit ermöglichen. Fortgeführt wird das Thema in Form der vier Frauen, Großmutter, Mutter, Schwester und Tochter, die auf dem Weingut leben. In diese brüchige, von Verbitterung durchsetzte Idylle wird tritt Kilian, der als Mann – und obendrein als Mann mit suspekter Veranlagung – längst verschüttete Gefühle aufbrechen lässt.
Und natürlich geht es um Pädophilie. Es gelingt der Autorin, dieses heikle Thema mit Fingerspitzengefühl in einen Krimi umzuwandeln, ohne dabei plakativ oder moralisierend zu werden. Inmitten der zauberhaften Landschaft der Weinberge entspinnt sich eine seltsame, mit verbotenen Untertönen durchsetzte Freundschaft, die tödlich endet. Keiser rechtfertigt nicht, sie verurteilt auch nicht, sie lässt den Leser sein eigenes Urteil finden. Für die Zukunft ist zu hoffen, dass sie auch ihre Heldin zu einem ähnlichen Gleichgewicht finden lässt, denn noch ist es schwer, die aggressive, überstarke Franca Mazzari als Identifikationsfigur zu sehen.