Hunde sind der beste Freund des Menschen. Umso grausamer ist es, dass Timo Beils Nachbarin ihren Hund bei einer Online-Auktion versteigern will. Der Kläffer verträgt sich einfach nicht mit seiner Zwangsehefrau der Katze, sagt sie. Keine Frage, dass Timo Beil später den Hund ersteigert und seiner Nachbarin ordentlich ins Gewissen redet. Lebendige Tiere versteigert man doch nicht. Doch der Reihe nach:
Der Benutzer heißt der neue Roman des Hamburger Schriftstellers Lou A. Probsthayn, dessen Protagonist Timo Beil ist. Beim Zusammentreffen mit seiner Nachbarin erfährt er aber nicht nur von der geplanten Hundeversteigerung sondern von Online Auktionshäusern im Allgemeinen. Klar, dass er den Nervenkitzel von Internet Versteigerungen selbst erleben will. Als erstes ersteigert er sich eine Hose von Benutzer RoseRose, sein erster erfolgreicher virtueller Kontakt im Online Auktionshaus Limit. Little Hertie nennt Timo Beil seine Limitisten Identität.
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Von der ersteigerten Hose angestachelt beschließt Timo etwas altes Gerümpel vom Dachboden bei Limit anzubieten - mit Erfolg. Und mit diesen erfolgreichen Versteigerung beginnt Timos Limitisten Identität gewichtiger zu werden. Kein Wunder, kann ein Limitist doch einfach aufgrund seines makellosen Bewertungsprofils ganz unkompliziert ein guter Mensch sein. Nach zehn positiv bewerteten Transaktionen verleiht das Auktionshaus seinen Benutzern eine kleine Krone neben dem Namen. Ausdruck von lobenswertem Handelns. Ehrensache für Little Hertie, die Krone innerhalb von kurzer Zeit erhandelt zu haben. Schnell ist der Plunder vom Dachboden verkauft und Timo Beil beschließt Limit-Schuhverkäufer zu werden. Little Hertie wird damit immer mehr zum bestimmenden Teil seines Denkens. Er ersteigert sich Schuhe aus Insolvenzen und Geschäftsauflösungen um sie daraufhin wieder gewinnbringend zu versteigern. Das Geschäft blüht und Timo Beil aka Little Hertie kann durch den Schuhumsatz sogar seine Miete bestreiten. Doch dann geschieht das Unvermeidbare, die erste Transaktion verläuft problematisch. Ein Käufer behauptet das Geld überwiesen zu haben, obwohl es noch nicht bei Little Hertie angekommen ist. Als Little Hertie sich entscheidet, die Schuhe nicht zum Käufer zu schicken kommt es zum Eklat: Es klingelt bei Timo Beil, ein kräftiger Mann bezahlt mit Schlägen statt Barem und nimmt sich die Schuhe, das Geld überweist er erst später - nach der Prügelattacke.
Dieses Ereignis wird zum Knackpunkt für Timo Beil. Er beschließt, es in sich zu verschließen und bewertet den Schlägerkäufer nach dessen unverschämter Aufforderung sogar noch positiv. Doch als Little Hertie durch eine erste negative Bewertung einen Riss in seiner makellosen Limit Identität bekommt sieht er plötzlich rot. Er beginnt seinen scheinbar undankbaren Kunden im realen Leben nachzustellen und schreckt sogar vor Gewalt nicht zurück. Little Hertie ist jedes Mittel Recht, seine Limitisten Identität bei hundert Prozent positiven Bewertungen zu halten.
Lou A. Probsthayn erzählt die Geschichte von Timo Beil nach den Regeln des Hamburger Dogmas. Danach sollen unter anderem Adjektive vermieden werden, ein Satz darf nicht mehr als fünfzehn Worte haben und Gefühle werden nicht benannt sondern bildlich dargestellt. Daraus entsteht eine einzigartige Sprache, die zunächst für den Leser sperrig erscheint mit jeder Seite aber faszinierender wird.
Der Benutzer zeigt, wie leicht virtuelle und wirkliche Identität überlappen und in ihrem Zusammenspiel fatal wirken können, wie einfach es ist, über das Internet sensible Informationen über andere Menschen herauszufinden. Drastisch, vielleicht zu drastisch und plötzlich, werden die Folgen von Anerkennungs-Asymmetrien zwischen Cyberspace und realem Leben dargestellt. Die experimentelle Sprache macht den Roman etwas sperrig und deshalb für manchen Leser schwer verständlich. Für Leser aber, die Spaß an neuen Tonlagen und Textfarben haben ist vor allem die sprachliche Umsetzung ein zusätzlicher Lesegenuss.