Die österreichische Präsidentschaftswahl ist in vollem Gang, da steht natürlich auch die Presse auf dem Plan, so auch die überzeugte Politikhasserin Mira Valensky. Doch während sie über die menschlichen Seiten der Politik berichtet, stolpert sie über einen Selbstmord – oder doch einen Mord?
Mira Valensky ist Journalistin, darüber hinaus leicht übergewichtiger Single mit Katze und der Erinnerung an ihren übermächtigen Vater. Sie hasst Politik und sieht ihren Ehrgeiz dadurch mehr oder minder befriedigt, dass sie kleine Lifestylegeschichten für ihre Zeitung verfasst. Als die Präsidentschaftswahl ihrem Höhepunkt zustrebt, wird Mira in den Dunstkreis des Golden Boy der Politik, Wolfgang A. Vogl geschickt, um über das Menschliche des Wahlkampfs zu berichten.
Anzeige Doch während Vogl und sein Stab versuchen, ihr nur das strahlende Gesicht des Wahlkampfs zu präsentieren, stolpert Mira über den Selbstmord eines ehemaligen Wahlkampfhelfers. Ihre Neugier ist geweckt, doch bald stellt Mira fest, dass Neugier gefährlich sein kann. Erst als es ihr gelingt, den zynischen, an seinen Rollstuhl gefesselten Starreporter Droch auf ihre Seite zu ziehen, schöpft sie wieder Hoffnung. Und dann ist da natürlich noch ihre bosnische Putzfrau mit ihren ungewöhnlichen Kontakten.
Mira ist ein typischer Großstadtsingle, der zusammen mit seiner Katze zu ihren Macken und ihrem Alter steht, Männer zwar mag, aber einfach nicht den richtigen findet und alles in allem ganz zufrieden mit ihrem Leben ist. Mira verkörpert damit den Typ Romanfigur, der das Potential zur Serienheldin hat, da sich ein großer Teil der weiblichen Leserschaft mit ihr identifizieren kann. Sie ist weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber sie meistert ihr Leben.
Wahlkampf konfrontiert Mira mit den Reichen und Mächtigen, und in diesem Kontext darf sie auch gleich unter Beweis stellen, dass mehr in ihr steckt als Klatschgeschichten, nämlich Mut, Integrität und Kampfgeist. Sie schafft es, hinter die Fassade der Macht zu blicken, die von dem aalglatten Vogl verkörpert wird. Auch hier, so möchte man sagen, in Österreich nichts Neues.
Dass Wahlkampf trotzdem ein echtes Lesevergnügen ist, liegt besonders an zwei Figuren. Die eine ist die patente Putzfrau Vesna, die sich bald als echte Freundin für Mira erweist. Zwar enthält die Konzeption ihrer Figur einen guten Schuss Sozialkritik, der aber gleichzeitig mit so viel trockenem Humor vermittelt wird, dass Vesna das Zeug zum echten Serienliebling hat.
Die zweite Figur ist Miras männliches Gegenstück, der Starreporter Droch. Obwohl die Geschichte insgesamt recht vorhersehbar ist, gelingt es Rossmann, die ungewöhnliche Romanze zwischen der jungen Frau und dem alten Krüppel, wie Droch sich selber bezeichnet, mit viel Sensibilität und romantischem Understatement anzubahnen. Während sie Drochs Heldentum schrittweise auseinander nimmt, schafft sie einen runden Charakter, dessen Interaktion mit der Heldin überzeugt.
Fazit: Nicht der ganz große Wurf, aber ein solider Krimi mit überdurchschnittlich sympathischen Charakteren