"Kinder brauchen böse Eltern", der Titel provoziert und reizt zum Kauf, ob man nun einen Erziehungsratgeber braucht oder nicht. Enttäuscht wird der Leser auf jeden Fall sein. Ratschläge bekommt man allenfalls im Nachwort. Auf allen Seiten zeigt der Autor wie gut er recherchieren kann und er rechtfertigt seine Art der Erziehung bei seinen Kindern.
Till Bastian beschreibt, was sich in Sachen Erziehung heutzutage abspielt und welche Konflikte zwischen Eltern und Kinder hoch kochen. Auch er steht der Tatsache, dass Gewalt in vielen Familien eine Rolle spielt, eher hilflos gegenüber.
Anzeige Till Bastian zeigt, was in vielen Familien schief läuft. Dabei hat er eine Vielzahl von historischen und aktuellen Material gesichtet. Viele Fälle eskalierter Gewalt bis hin zum Kindsmord hat er noch einmal ans Tageslicht geholt. In Zusammenhang mit dem Titel ist das eine derbe Provokation, die in die falsche Richtung lossgeht, auch wenn es sicherlich nicht so gemeint ist. In einem Erziehungsratgeber über Fälle von Gewalt in so geballter Form zu berichten, ist erschrecken und kommt nicht gut an. Eltern, die das Buch kaufen, zeigen ja ihre Bereitschaft, in Erziehungssachen etwas ändern zu wollen, man braucht nicht mit der Holzhammermethode daherzukommen.
Vieles, was Till Bastian da von sich gibt, ist ohnehin nur aufgewärmt. Vom Psychoanalytiker bis zum Politiker kommen zahlreiche Personen zu Wort. Der Autor hat, wie gesagt, aufwändig recherchiert, aber praktischen Nutzen hat das Ganze nicht. Das Buch ist zu theoretisch. Da verspricht der Klappentext etwas ganz anderes. Man kann sich höchstens, auch wenn nichts zur Umsetzung im Buch steht, ein Beispiel an Till Bastians Erziehungsstil nehmen, der Eltern eigenständige Persönlichkeiten mit Bedürfnissen und Wünschen sein lässt und der seinen Kinder Grenzen aufzeigt.