»’Marillion hat wieder gesungen. Dein Vater sagt, er sei tot, aber das ist er nicht.’
‚Ist er doch.’ Es jagte ihr einen Schrecken ein, wenn er so redete. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass er klein und kränklich ist; wenn er nun auch noch verrückt ist? ‚Süßrobin, er ist tot. Marillion liebte eure Hohe Mutter zu sehr und konnte nicht mehr mit dem Gedanken leben, was er ihr angetan hat.’ [...]
‚Dein Vater hätte ihm die Zunge rausreißen sollen.’«
Weiter geht es mit „A Song of Ice and Fire“ und den sieben Königreichen. Jetzt gelangen die ersten Gerüchte über Drachen und eine Drachenkönigin ins Land und prompt wecken sie die Begehrlichkeiten verschiedener Machthaber, die hoffen, dass sie mit deren Hilfe die eigene Herrschaft zementieren können.
Cersei, die Regentin für ihren Sohn Tommen, versinkt immer mehr im eigenen Verfolgungswahn, umgibt sich mit Schmeichlern und verprellt die eigenen Anhänger. Statt den sieben Königreichen Frieden zu bringen, verstrickt sie sich in immer verschlungenere Intrigen und fördert die Wiederkehr fundamentalistischer Religionsgruppen
Jaime, der Königsmörder und Bruder Cerseis, soll die Belagerung Riverrun beenden und muss mal wieder zu wenig ritterlichen Methoden greifen.
Alaine, Ex-Tochter des Königs im Norden und jetzt als uneheliche Tochter von Littlefinger im Eyrie, soll verheiratet werden – an einen Mann, der große Chancen in der Erbfolge des Tals Chancen hat.
Brienne sucht weiter Sandor Clegane, den Bluthund, um wie versprochen, diese Sansa vor Cersei zu retten.
Und Samwell, der dicke Samwell von den Mauer, begleitet Maester Aemon in den Süden, nach Oldtown, zu dem Hauptsitzdes Grand Maesters, um ihn über die neuen Entwicklungen aufzuklären.
Anzeige Wie immer beschreibt George Martin die Geschehnisse aus der Perpektive der verschiedensten Figuren. Wie immer sind die Figuren und deren Entwicklung seine Stärke. Aber diesmal lässt die Spannung oft nach, wenn wieder einmal endlose Genealogien erzählt werden, um festzustellen, wer vielleicht in Zukunft wegen seiner Abstammung sich Hoffnung auf welche Burg, welche Herrschaft machen kann. Zu vieles ist vorhersehbar, die Perspektiven verraten dem Leser nichts neues über die Personen, nichts, was wir nicht schon aus früheren Büchern kennen würden.
So ist dieser achte Band zwar spannend, aber hat längst nicht mehr das Format der früheren Bände, ist nur noch durchschnittliche Fantasy-Kost. Alles ein wenig langatmig, ausufernd erzählt und erweckt ein bisschen den Eindruck, dass der Autor seine Geschichte nicht mehr so recht im Griff hat. Schade.
Bleibt abzuwarten, wie die beiden Schlussbände ausfallen werden.
George R.R. Martin Die dunkle Königin (Originaltitel: A Feast of Crows)
Aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg
Fantasy
Blanvalet, November 2006
Paperback, 608 Seiten, € 13,00