Das Jahr geht viel zu schnell vorüber. Kaum hat man den Sommer in vollen Zügen genossen, ist der Herbst mit seinem Schmuddelwetter da und ehe man es sich versieht, naht die Weihnachtszeit. In diesem Jahr fällt zudem noch Heiligabend mit dem vierten Advent zusammen. Die Redaktion hat ihre ganz persönlichen Buch- und Geschenktipps zusammengestellt.
Die Buchtipps werden Ihnen präsentiert von:
Albrecht Mangler - Redakeur Belletristik
Albert Sanchez Pinol -Im Rausch der Stille
Eigentlich sucht der namenlose Ich-Erzähler nur die Ruhe und Abgeschiedenheit des Eismeeres. Als Meteorologe auf einer einsamen Insel verspricht er sich genug Zeit zum Nachdenken, um die Frustrationen aus dem irischen Freiheitskampf zu verarbeiten und einige Klassiker lesen. Doch nachts tauchen scheinbar blutrünstige Froschmenschen aus dem Meer aus und verwandeln die Insel in ein furchtbares Schlachtfeld….
Albert Sanchez Pinol erzählt mit atemberaubender Dichte eine fast zärtliche Geschichte von Liebe, Angst und Hass. Das Buch ist fesselnd wie kein anderes und bietet dem Leser unaufdringlich vielfältige und tiefere Lese- und Interpretationenebenen. Selbst mehrere Monate nach dem Lesen denke ich noch oft an das Buch und seinen rauschhaften Rhythmus von Fantasie, Gewalt und Emotion.
Hallgrimur Helgason -Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein
Unbequem und nahezu gelähmt erwacht Einar Grimsson auf einer Wiese im isländischen Hochland. Die Gastfreundschaft und Pflege von Schafbauer Hrolfur kann Grimsson auch kaum zufrieden stellen – schließlich sucht er nach etwas viel Wichtigerem: Seiner Erinnerung, die wie verschwunden scheint. Nach und nach kehrt das Gedächtnis zurück und Einar Grimsson begreift, dass er als Schriftsteller auf geheimnisvolle Art und Weise in einem seiner eigenen Romane wieder aufgewacht ist.
Hallgrimur Helgason öffnet in seinem brillanten Roman eine prall gefüllte Schatzkiste voller erzählerischer Perlen und feinsinnigem Humor. Die augenzwinkernde Leichtigkeit und der Esprit mit der Hallgrimur Helgason eine tragisch anrührende und stellenweise auch verstörende Geschichte von Einar und den von ihm erschaffenen Charakteren erzählt, ist der Grund, warum man hofft, das Buch ginge nie zu Ende.
Eigentlich ist alles ganz harmlos. Oder auch nicht. Jes Grew – eine scheinbare Krankheit – breitet sich in Nordamerika aus. Eine bestimmte Gruppe von Personen, die Templer, wollen die Krankheit bekämpfen, da sie Rhythmus und Lebensfreude in das Blut der Infizierten bringt. Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse: Ein Mord, ein verschollenes Buch taucht wieder auf und uralte Rivalitäten brechen auf.
Ishmael Reed rollt in seinem geistreichen Buch „Mumbo Jumbo“ die westliche Geschichte auf und zeigt neue Perspektive zwischen Taihiti und dem alten Ägypten auf. Wild, anarchisch und herrlich erfrischend ist die Geschichte rund um Jes Grew, die Harlem Renaissance und reaktionäre Kräfte und deren Gegenspieler. Ein Buch, dass den Leser dazu bringt, scheinbar Selbstverständliches neu zu überdenken.
Keren Bewersdorf - Redakteurin Belletristik & Studium
Ingo Schulze -Simple Storys
"Simple Storys" ist ein Roman, der das Leben mehrerer Menschen im thüringischen Altenburg nach der Wende wiedergibt. Mal nüchtern betrachtet, mal ein wenig nostalgisch erzählt Schulze von Ereignissen in der Stadt und mitreißenden Einzelschicksalen. Die Geschichten laden manchmal zum Schmunzeln ein, manchmal stimmen sie den Leser nachdenklich. Besonderer Clou: Der Roman besteht aus in sich abgeschlossenen Kurzgeschichten, die aber alle untereinander verknüpft sind, so dass sie in ihrer Gesamtheit wiederum einen vollständig in sich geschlossenen Roman ergeben.
"Die Stadt der träumenden Bücher" ist ein autobiographisches Werk des legendären Hildegunst von Mythenmetz, der schon so manchem Leser aus "Ensel und Krete" bekannt sein dürfte. Mythenmetz erzählt von seinen Abenteuern in der Stadt der träumenden Bücher, in die er sich begibt, um den Autor des besten Textes der zamonischen Literaturgeschichte zu finden. Moers schafft es in diesem spannenden, humorvollen Roman, den Leser geistig herauszufordern, denn alle zamonischen Schriftsteller sind - mehr oder weniger stark verschlüsselt - bekannte Autoren unserer Welt...
Ein einziger, falsch eingesetzter Buchstabe lässt Emmi Rothners Mail, statt wie beabsichtigt bei der "Like"-Redaktion, bei Leo Leike landen. Leike antwortet - und schon bald entsteht zwischen Emmi und Leo eine "Brieffreundschaft", die die beiden füreinander schnell zum wichtigsten Gesprächspartner werden lässt. Eindrucksvoll schildert Glattauer das Entstehen einer Freundschaft, die rein zufällig entstanden ist und daran zu zerbrechen droht.