Mit Hugh Greene fing alles an – das besetzte Deutschland bekam die erste unabhängige Rundfunkanstalt - eine Sternstunde der Demokratie schlug! Jahrzehnte später hat sich das Bild gewandelt: Kommerz siegt über Kunst, Quote über Qualität. Sollte so das Ende des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aussehen?
Jahrelang war Jürgen Bertram als Asienkorrespondent für die ARD tätig, er kennt die Entwicklungen, die Strömungen und die Gefahren wie kein anderer, und er hat sich entschlossen, darüber zu sprechen, was er gesehen hat. Mattscheibe ist ein Buch, das Missstände aufzeigen und die Wahrheit enthüllen soll. Und so untersucht er die Entwicklung von ARD und ZDF von ihren Anfängen bis heute, legt den Finger auf die Wunde Kultur und entlarvt des Deutschen liebstes Kind, den Fußball als modernes Opium fürs Volk.
Beim ersten Lesen mag der Leser überrascht sein: Das Buch, das sich so provokant „Mattscheibe“ nennt, beginnt trocken, sehr trocken. Warum auch nicht? Immerhin prangert Jürgen Bertram gnadenlos die Spaßkultur an, die jede seriöse Berichterstattung, insbesondere den politischen Journalismus längst unterhöhlt hat.Küblböck statt Kritik, so kann man seine These zusammenfassen. Also setzt er diesem Trend Informationen entgegen. Zunächst...
Je weiter Mattscheibe sich allerdings entwickelt, desto deutlicher wird die wahre Intention des Autors. Er singt dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen Schwanengesang. Doch der Schwanengesang ist gleichzeitig eine Abrechnung mit denen, die für den Fall des einst so idealistischen Mediums verantwortlich sind oder verantwortlich zu sein scheinen. Und hier fängt die Darstellung an, problematisch zu werden. Einerseits fordert Bertram Information, ausgewogene Berichterstattung und das Recht des einzelnen, nicht für dummer verkauft zu werden. Andererseits ist seine eigene Sichtweise, so sachlich sie an der Oberfläche erscheint, geprägt von starken Emotionen.
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Die Guten in dem Kampf gegen die Verdummung und den Ausverkauf sind die Journalisten, und zwar die, die ihren Beruf noch ernst nehmen. Man wird ein wenig an alte Filme erinnert, die sich um die Figur des unbestechlichen Reporters, gut aussehend und in schwarz-weiß, ranken, der sich gegen Einflussnahme aller Art wehren muss. Denn die Bösen sind überall, und die Schlimmsten sind die Politiker und die Wirtschaftsbosse. Ein Körnchen Wahrheit steckt in dem allen, keine Frage, aber ist die Welt wirklich so einfach?
Hinzu kommt ein wenig der Tenor von „früher war alles besser“. Etwa zur Hälfte scheint das Bertram selber aufzufallen und er verwahrt sich ausdrücklich gegen den Vorwurf der Schönfärberei und der Nostalgie, nur um dann mit seiner Beweisführung fortzufahren, dass früher eben doch alles besser war. Dabei kann man Bertram nicht einmal absprechen, dass er im Kern recht hat. Eine Verflachung der Medienkultur ist zu beobachten, und es wäre schön, wenn man den Trend umkehren könnte. Aber genau das fehlt – die Lösungen für das Problem. Denn es reicht einfach nicht, nur den Finger warnend zu erheben, ohne gangbare Wege vorzuschlagen, die aus der Misere führen.
Fazit: Interessanter, aber sehr einseitiger Einblick in die Fernseh-Kultur