Allein ist Julius Klingenthal nie, die Magd, das Burgfräulein, der Schultheiß, der Landmann, der Söldner und der Seemann begleiten ihn. Für die Augen der anderen sind es nur Puppen, denen der Bauchredner Klingenthal seine Stimme leiht. Doch für den verschrobenen Mann sind sie mehr: Freunde und auch Helfer, als er unversehens in eine Mordserie verstrickt wird.
Die Mark Brandenburg im Jahre des Herrn 1782 ist ein unwirtlicher Ort für einen einsamen Wanderer. Doch wie jedes Jahr reist der Bauchredner und Schausteller Julius Klingenthal auch diesmal mit seinen Puppen nach Steinfurth. Doch eines ist anders: In seiner Begleitung befindet sich die junge, schöne Alena, die ihren Lebensunterhalt als Klagefrau verdient. Beide finden in Steinfurth ein Unterkommen bei Pfarrer Matthies, für den Alena den Haushalt übernimmt, während Julius auf dem Markt seine Kunst vorführt.
Doch seine Puppen bekommen Konkurrenz, denn in Steinfurth wütet ein Mörder. Immer wieder sind es honorige Bürger, die auf brutalste Weise mit exotischen Waffen abgeschlachtet werden. Bald gerät Julius selbst in Verdacht, da er nicht nur zum fahrenden Volk gehört, sondern obendrein noch Jude ist. Um den Verdächtigungen ein Ende zu bereiten, übernimmt er schließlich die Ermittlungen und gerät bald selber in Lebensgefahr.
Anzeige
Wolf Serno ist Liebhabern breit angelegter historischer Krimis längst ein Begriff und hat sich mit Die Hitzkammer, Der Balsamträger und anderen Werken einen Namen gemacht. Mit seinem neuen Werk Der Puppenkönig wandelt er auf bekannten Pfaden, sowohl was Aufbau als auch Personal angeht. Wieder geht es um den Einzelgänger, der, misstrauisch von seiner Umgebung beäugt, um sein Leben kämpfen muss. Eine interessante Note erhält Held Klingenthal diesmal durch seine Puppen, die als Verkörperung seiner verschiedenen Facetten fröhlich ins Ermittlungsgeschehen eingreifen.
Im Gegensatz zu den anderen Werken fällt die weibliche Hauptfigur diesmal eher zurückhaltend aus. Alena ist zwar eine liebevoll ausgestaltete Figur, doch im Gegensatz zu der faszinierenden Mörderin aus Der Balsamträger bleibt sie eher passiv und tritt hinter andere Nebenfiguren zurück, die zwar eher typenhaft, aber auch sehr lebendig ausfallen. Aus ihrem immer wieder wechselnden Zusammenspiel entwickeln sich Nebenhandlungen, die der Autor stets geschickt in den Hauptstrang der Erzählung zurückführt.
Insgesamt lässt sich Der Puppenkönig flüssig lesen und eröffnet wieder einen gut recherchierten Einblick in die Vergangenheit. Hinzu kommt die Mörderjagd, die der Leser auch deswegen genießen kann, da er aufgrund des vorgeschalteten Prologs immer einen kleinen Wissensvorsprung hat, der aber doch nie ausreicht, das Rätsel ganz zu lösen. Neu ist das zwar nicht, aber das Konzept geht doch immer noch auf.
Fazit: Gut recherchierter Historienkrimi mit verschroben-sympathischen Figuren