Ahmed Ashmway Malloy ist jung, sportlich, stets höflich und korrekt gekleidet, und seine schulischen Leistungen sind nicht schlecht. Er sollte etwas aus seinem Leben machen, findet sein Schulbetreuer Jack Levy. Das findet Ahmed auch – aber seine Vorstellungen weichen stark von denen Levys ab. Seit geraumer Zeit schenkt er seinem Koranlehrer Scheich Rashid mehr Aufmerksamkeit als seinen Lehrern in der Schule.
Ahmed ist in Amerika mit seiner irischstämmigen Mutter Theresa Malloy aufgewachsen, an seinen aus Ägypten immigrierten Vater erinnert er sich kaum.Er ist durch und durch Amerikaner, lebt in New Jersey, spricht fließend englisch, arabisch dagegen ist für ihn eine Fremdsprache, die er sich mühsam aneignen muss, um den Koran zu studieren. Es fällt ihm schwer, das, was er für ein gottgefälliges Leben hält, mit seiner freizügigen Umwelt in Einklang zu bringen.
Diese freizügige Umwelt beginnt schon bei ihm zuhause – seine Mutter, die zwar katholisch getauft, aber im Alltag nicht besonders religiös ist, führt ein Leben mit verschiedenen Liebhabern. In deren Reihe stolpert auch der Berater Jack Levy, als er Ahmed zuhause besucht, um ihm Beratungsunterlagen zu bringen. Bald geht Levy bei Malloys ein und aus, doch nicht, um Ahmed zu beraten. Der hat, entgegen Levys Rat, die höhere Schule zu besuchen, einen LKW-Führerschein gemacht und jobbt als Fahrer für ein Möbelgeschäft.
Während Theresa gern mehr als nur eine Affäre mit Jack hätte, steht es für diesen außerhalb jeder Diskussion, seine stark übergewichtige Frau Beth zu verlassen.Auch wenn er zu seinem jüdischen Glauben keinen großen Bezug mehr besitzt – eine Ehe zu scheiden, das kommt für Jack nicht in Frage. Während Theresa und Jack über den Fortgang ihres Verhältnisses diskutieren, trifft Ahmed eine folgenschwere Entscheidung: Scheich Rashid hat Kontakt zu einer Gruppe radikaler Islamisten, die einen Lastwagenfahrer für einen Anschlag im Lincoln Tunnel suchen. Doch auch Jack hat über die Schwester seiner Frau, die im Innenministerium arbeitet, von dem Plan erfahren. Und er hat noch einige Informationen, über die Ahmed selbst nicht verfügt…
Warum wird ein Mensch zum Terrorist? Was unterscheidet friedlich ihren Glauben praktizierende Muslime von jenen, die bereit sind, für diesen Glauben in den Tod zu gehen und die, die sie für Ungläubige halten, mit in den Tod zu reißen? Diese Fragen beschäftigen spätestens seit dem 11. September 2001 Millionen Menschen in der westlichen Welt. Updike ist klug genug, keine einfache Antwort auf diese Fragen bieten zu wollen. „Terrorist“ ist keine umfassende Analyse des Phänomens Terrorismus, keine Bestandsaufnahme der Integrationsschwierigkeiten von Muslimen in westlich geprägten Gesellschaften, keine Untersuchung, wie viel Aufruf zur Gewalt denn nun wirklich im Koran steckt.
„Terrorist“ ist eine Nahaufnahme. Nicht der Terrorismus steht im Vordergrund, sondern die Lebensgeschichte eines jungen Menschen, der sich am amerikanischen Wertesystem stößt und empfänglich für radikale Botschaften ist. Das Perfide daran: diese Geschichte wird parallel und gleichwertig zu der Erzählung des Dreiecksverhältnisses zwischen Jack, Beth und Theresa erzählt. Verharmlost Updike den Terrorismus, indem er ihn auf einer Stufe mit den Beziehungsproblemen von Durchschnittsamerikanern abhandelt? Man könnte Updike das unterstellen, insbesondere, da am Ende des Romans der Anschlag verhindert wird – alles halb so wild, ist ja doch nichts passiert, und dieser Ahmed ist ja eigentlich auch ein ganz netter Kerl, bis auf seinen Koran-Tick. So könnte man dieses Buch verstehen.
Doch auch eine andere Deutung ist möglich: Der latente Terrorismus gehört zum amerikanischen Alltag wie zerrüttete Familien, wie Übergewicht, wie Männer, die ihre Frauen betrügen. All das ist nicht erfreulich, aber wir müssen damit leben lernen. Eine beunruhigende Botschaft, vor deren Hintergrund auch das Ende eine andere Deutung erfährt: diesmal sind wir noch einmal ungeschoren davon gekommen, aber Menschen wie Ahmed gibt es zu Tausenden, und das nächste Mal könnte der Geheimdienst zu langsam sein. Auch das ist eine mögliche Lesart des Buches.
Warum wird ein Mensch zum Terrorist? Updikes Roman stellt Fragen, aber er gibt keine Antworten.In vielen Reaktionen auf „Terrorist“ wurde kritisiert, dass Ahmeds Weg vom angepassten Schüler zum radikalisierten Attentäter nicht nachvollziehbar sei, und unlogisch obendrein. Doch eine nachvollziehbare Entwicklung, bei der man als Leser zufrieden nicken würde – ja, wenn das so ist, dann kann man ja verstehen, dass dieser junge Mann den Lincoln Tunnel in die Luft jagen und hunderte Berufspendler in den Tod reißen will – eine solche Entwicklung wäre eine einfache Antwort, die es auf diese Frage wahrscheinlich schlicht nicht gibt. Updike tut gut daran, sich an einer solchen Erklärung gar nicht erst zu versuchen, sondern die Leser darüber im Unklaren zu lassen. Durch diese Auslassung gelingt ihmdie wohl treffendste Beschreibung des Terrorismus: eine Bedrohung, die gerade dadurch so beängstigend ist, dass wir die Beweggründe der Täter nicht mit den Mitteln unserer eigenen Logik nachvollziehen können.