James M. Barries "Peter Pan" kennt wohl jedes Kind und jeder Erwachsene, ob nun das Buch oder den Film. Aus Anlass seines 70. Todestages hat die von ihm gegründete Stiftung eines Londoner Kinderkrankenhauses einen weltweiten Literaturwettbewerb um eine Fortsetzung des Klassikers ausgerufen. Die bekannte englische Autorin Geraldine McCaughrean hat den Wettbewerb für sich entscheiden können.
Wendy und die Jungen aus dem Nimmerland sind längst erwachsen. Sie sind Richter oder Arzt und haben mittlerweile selber Kinder. Eines Tages kommen die Träume zurück. Und am nächsten Morgen liegen seltsame Dinge im Bett, die an Peter Pan erinnern. Wendy glaubt, die Träume sickern aus dem Nimmerland durch. Irgendetwas scheint dort nicht in Ordnung zu sein. Die Träume könnten eine Botschaft sein.
Wendy und ihre Freunde wollen ins Nimmerland zurück. Doch um fliegen zu können brauchen sie Feenstaub. Also machen die Männer sich auf, um mit Schmetterlingsnetzen in den Kensington Gardens eine Fee zu fangen. Aber erst als Wendy die Sache in die Hand nimmt, gelingt das Unterfangen. Durch das erste Lächeln eines Babys wird ein Elf geboren. Feuerflieger versorgt Wendy, Curly, Tootles, Slightly und die Zwillinge mit Feenstaub.
--- Anzeige ---
Der Elf weiß, wie man wieder zum Kind wird und wie man ins Nimmerland reist. Es ist eine Reise in die Kindheit zurück. Endlich treffen sie Peter Pan im Nimmerland wieder. Die Erwachsenen, nun wieder Kinder, haben ihr altes Leben zurückgelassen. Alles gerät in Vergessenheit, so dass sie bald nicht einmal mehr wissen, warum sie ins Nimmerland zurückgekommen sind. Sie erliegen der Faszination des Kindseins.
Peter Pan hat sich nicht verändert. Immer noch ist er das ewige Kind, angeberisch, störrisch und wild wie einst, aber am Sterben vor Langeweile. Kaum erkennt er seine alten Freunde wieder. Zu viel Zeit ist vergangen. Auch Nimmerland hat sich verändert. Die Insel wurde vergiftet. Auch wenn sie zunächst von Zoodirektor Ribello Hilfe bekommen, anschließen wollen sie sich ihm nicht. Vielmehr übernehmen die Kinder die „Jolly Roger“ vom toten James Hook und jagen dem Schatz nach, den eine gefundene Schatzkarte, verspricht. Die Eintracht zwischen den Kindern wird vom Ribello gestört, der ganz nach Erwachsenenmanier sich immer wieder einmischt. Sein Ziel ist Unfrieden zu stiften. Leider spricht Peter Pan darauf an und wird seinem Verhalten nach seinem alten Widersacher Kapitän Hook immer ähnlicher.
Die Geschichte muss einen Vergleich mit James M. Barries „Peter Pan“ nicht scheuen. Es ist ein Buch, das von Wundern und Träumen lebt und die Fantasie aufleben lässt. Die Autorin erzählt mit viel Witz und hintergründigen Botschaften die Fortsetzung, greift die alte Geschichte auf und strickt sie gekonnt weiter. Sie spielt mit den Worten, arbeitet mit Metaphern, lässt Träume und Albträume wahr werden. Aus Geschriebenem werden Bilder. Alles scheint möglich. Für Menschen mit Fantasie ist das Buch das reinste Lesevergnügen, auch wenn es hier und da sehr kritisch daher kommt und viele Denkanstöße gibt, was das ewige Kindsein und das Erwachsenwerden betrifft. Dass so unterschiedliche Charaktere im Buch aufeinandertreffen, verstärkt diesen Eindruck.
Gut gefällt auch die Aufmachung des Buches. Die Gestaltung mit Schattenbildern, schwarze Silhouetten auf weißem Grund, ist sehr stilvoll und verstärkt den Zauber, der dem Buch innewohnt.
Geraldine McCaughrean Peter Pan und der rote Pirat Aus dem Englischen von Anne Brauner Mit Illustrationen von Scott M. Fischer cbj, München 312 Seiten, gebunden, 14,95 Euro ab 9 Jahren ISBN: 3-570-13206-4