Sie glauben, dass es eine Katastrophe ist, wenn der Eischnee für Ihr Familiendinner nicht steif wird? Multiplizieren Sie die Anzahl der Gäste mal 200, dann haben Sie eine Katastrophe! Und glauben Sie, dass derlei immer nur Ihnen passiert? Lesen Sie selbst...
Sie glauben, dass es eine Katastrophe ist, wenn der Eischnee für Ihr Familiendinner nicht steif wird? Multiplizieren Sie die Anzahl der Gäste mal 200, dann haben Sie eine Katastrophe! Und glauben Sie, dass derlei immer nur Ihnen passiert? Lesen Sie selbst...
Ein riesiges Schiff aus Eis zerschellt auf dem Fußboden und setzt die Küche des Grand Hotels unter Wasser. Ein Anruf verkündet, dass der Hummer schlecht geworden ist, ein weiterer, dass der Ehrengast des Abends niemand anderes als Luciano Pavarotti ist. Und natürlich ist die ganze Belegschaft überzeugt, dass ein Italiener nicht kochen kann...
Solche und andere Probleme beschäftigen Spitzenköche und Köchinnen mit so klingenden Namen wie Sarah Wiener, Jamie Oliver oder Giorgio Locatelli. Sie alle haben sich einen Namen als Gourmets, Fernsehköche und Autoren von Kochbüchern gemacht, doch diese Geschichten loten ihre menschliche Seite aus. Sie erzählen von brennenden Restaurants, Fehlern und Rettungen im letzten Augenblick.
Natürlich erwartet niemand von einem Meisterkoch, auch ein Meisterschriftsteller zu sein, so dass das Gros der Geschichten wahrlich nicht durch seine sprachliche Raffinesse überzeugt. Der Leser muss sich schon in die Erzählungen hineinversetzen und die Situationen auf sich wirken lassen, nicht deren Ausarbeitung. Was hingegen hervorragend gelungen ist, ist die Mischung der Stories und Anekdoten, die nicht zum x-ten Mal die fehlenden Hummer thematisieren, sondern ganz verschiedene Arten der Katastrophen zum Anlass nehmen.
Von spaßig bis ernst ist alles vorhanden. Während zum Beispiel Jamie Oliver über die durchaus derben Scherze der Kochkollegen untereinander erzählt, geht es Giorgio Locatelli um so ernsthafte Themen wie Rassismus und Ausgrenzung, und das Damengespann Miliken/ Feniger hat ebenso spaßigen wie unappetitlichen Beitrag zum Thema Sauce Hollandaise mit Pfeffer. Auch verschiedene Haltungen zum Kochberuf werden deutlich. Während die meisten betonen, wie hingebungsvoll man dem Beruf ergeben sein muss, macht Anthony Bourdain deutlich, dass auch Kompromisse zum Handwerk gehören.
Das Bestechendste an der Sammlung ist allerdings die schiere sinnliche Gaumenfreude, die hier beschworen wird. Natürlich geht erst mal alles schief, doch was da schief geht, sind Speisen der Extraklassen, von denen Menschen, die essen lieben, in den höchsten Tönen schwärmen. Da kann man sich als Leser schon mal zurücklehnen und sich in die großen Restaurants dieser Welt träumen – mit und ohne Missgeschicke.
Fazit: Sinnlich-spaßiges Loblied auf die Kochkunst und deren Tücken