Jung vermählt und schwanger gerät die schöne Arub Sklavenhändlern in die Fänge. Von ihrem geliebten Farid getrennt, muss sich die junge Frau alleine gegen ihren zudringlichen neuen Herren, den Beichtvater des spanischen Königs erwehren. Als der stirbt, scheint sich ihr Schicksal endlich zum Besseren zu wenden.
Das Glück von Farid und Arub findet ein jähes Ende, als sie von Menschenjägern überfallen werden. Obwohl der jungen Frau zunächst die Flucht gelingt, ist auch ihre Freiheit nicht von langer Dauer. Schließlich findet ihr Leidenswerg ein vorläufiges Ende im Haus Glapions, des Beichtvaters des Königs. Der macht Arub nicht nur zu seiner Geliebten, er trennt sie auch von ihrem Sohn, den er nach christlichen Lehren erziehen lässt.
Als der alte Mann endlich stirbt und Arub in den Besitz seines Nachfolgers übergeht, scheint sich ihr Schicksal zu wenden. Bischof Loaysa gestattet nicht nur das Wiedersehen zwischen Mutter und Sohn, zum ersten Mal scheint jemand Arub als intelligenten, fühlenden Menschen wahrzunehmen. Doch auch der Bischof ist nicht frei von männlichem Begehren.
Tränen der Sahara ist der dritte Band in der Reihe um das Schicksal des mutigen Wüstenkriegers Farid und seiner Freunde und Familie. Diesmal steht seine junge Frau Arub im Mittelpunkt. Auf sich allein gestellt ist sie nun diejenige, die ihre Qualitäten angesichts geistiger und fleischlicher Versuchungen unter Beweis stellen muss. Dabei wird ihre Haltung als Tuaregfrau und Muslimin von Anfang an mit der ihrer christlichen Widersacher kontrastiert. Mit Arub als Sprachrohr wird Kritik an Bigotterie und Scheinheiligkeit geäußert. Beide Kirchenfürsten, Glapion und Loaysa, handeln nicht nach ihren eigenen Predigten sondern begehren und vergewaltigen die junge Frau.
Leider entsteht auf diese Weise ein sehr eingeschränktes Schwarz-Weiß-Bild, an dem auch die positiven Seiten des Bischofs Loaysa nicht viel ändern können. Akzeptabel wird er nur an den Stellen, an denen er sich Arub unterwirft, die so noch mehr zur Lichtgestalt stilisiert wird. Schade ist auch, dass es zwar über weite Strecken zu durchaus interessantem Gedankenaustausch kommt, dass aber menschliche Interaktion so gut wie nicht stattfindet.
Arub zweifelt nie an der Richtigkeit ihres Weges. Auch wenn sie bisweilen Zweifel an sich selber übt, wird sie nie ernsthaft in Versuchung geführt, so dass zehn Jahre Sklaverei – zumindest was ihr Seelenleben angeht – spurlos an ihr abgleiten. Allein die christliche Erziehung ihres Sohnes und ihr Wiedersehen mit ihrem Ehemann Farid drohen Arubs innere Gelassenheit ins Wanken zu bringen und bringen menschliche Anteilnahme ins Spiel.
Die Sprache passt sich an die distanzierte Haltung an. Der Ton der Erzählung ist beinahe märchenhaft-altmodisch und empfindet die Sprache alter Legenden nach. Allerdings gibt es auch störende Eigenheiten, wie zum Beispiel die konsequente Weigerung des Autors, nur Redeverben als solche zu benutzen, so dass es zu Formulieren kommt wie ‚„Nein“, schüttelte sie den Kopf’. Insgesamt ist der Roman nichts für Leser, die direkt in eine Handlung gestürzt werden wollen, wer hingegen den vom Kopf gesteuerten Austausch schätzt, ist mit Tränen der Sahara gut beraten.