Der Bilderschmöker
Dr. Ankowitsch lädt zur illustrierten Sprechstunde
Tagtäglich überschwemmen uns das Internet, das Fernsehen und Zeitschriften mit Bilderfluten. Nur selten setzen sich diese Bilder in unserem Gedächtnis langfristig fest. Wer jedoch einmal einen Blick in „Dr. Ankowitschs Illustriertes Hausbuch“ geworfen hat, dem prägen sich Diagramme, Piktogramme und Zeichnungen auf Dauer ein. Und wer das phantasievoll bebilderte Kompendium einmal aufgeschlagen hat, wird es so schnell nicht wieder zuschlagen.
Bereits in seinem „Konversations-Lexikon“ und seinem „Universal-Handbuch“ hat der Sammler außergewöhnlichen Wissens auf den Schau- und Informationswert von Illustrationen gesetzt. Dass er sich nun ganz auf das visuelle Überraschungsmoment verlegt hat, wird der sinnenfrohe Leser besonders schätzen. Aber auch all jene, die von dem inflationären Listen- und Tabellenwissen mittlerweile die Gehirnwindungen voll haben.
Praktische Tipps
Natürlich bietet auch das Hausbuch wieder eine Fülle an mehr oder weniger Wissenswertem. Die praktischen Tipps zum Bau von Iglus oder den Hinweis auf den „schnellsten Weg zum Ertrinkenden“ werden die Meisten nur in den seltensten Fällen benötigen. Aber es ist doch schön zu wissen, wo man sich dann Rat holen kann. Wie man einen Koffer mit Sinn und Verstand packt oder Fenster ohne Schmierstreifen putzt, dass bringt uns natürlich auch im Alltag weiter.
Die meisten anderen Beispiele stimulieren aber ganz andere Regionen unseres Gehirns. Optische Täuschungen wie „Wittgensteins Hasenente“ oder die Visualisierung des Flugverkehrs über Deutschland an einem einzigen Tag vermögen allein durch die reine „Anschauung“ zu faszinieren. Aber auch der Blick in das Innere eines klassischen Hamburgers oder der Querschnitt durch eine Straßenszene birgt ungemein viel neue Eindrücke.
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Abstraktes anschaulich gemacht
Auch gänzlich Abstraktes weiß der Österreicher in eine visuell fassbare Form zu kleiden. Auf die philosophische Frage „Wer sind wir?“ antwortet er mit Kuchendiagrammen, die uns die chemische Zusammensetzung unseres Körpers anzeigt. Zum Kontrast bietet er das gleiche Schema für die Eule. Anderes nimmt er wiederum beim Wort und setzt es durch Vergleiche in anschaulich ins Bild. Dass die Arche Noah laut Bibeltext fast so groß gewesen sein muss wie ein heutiger Luxusliner ist nicht nur erstaunlich, sondern spricht auch für die Phantasie und den Witz, mit dem Ankowitsch dieses Buch konzipiert und geschrieben hat.
Dinge, die wie auch ohne Bild verständlich wären, peppt er oft mit ebenso sachlich wie schmunzelnd formulierten Hintergrundinformationen auf. Und kann sogar sattsam Bekanntem erstaunliche Zusatzinformationen entlocken. Die Darstellung der verschiedenen Geschmacksregionen auf der Zunge kennt wohl jeder. Aber das Asiaten ein weiteres Sensorium für den Geschmacksverstärkers Natriumglutamat auf ihre Zunge besitzen, dürfte nur Medizinern bekannt sein.
In diesem Sammelsurium des Wissens sucht man nicht nach Informationen, man lernt sie wie ein Kind zu entdecken. Und vielleicht ganz neue Fragen zu stellen, die schon jetzt eine Fortsetzung des Buches dringend notwendig erscheinen lassen. Denn noch immer ist unklar, wie der Laie einen entzündeten Blinddarm per Not-OP entfernt oder welches Mienenspiel den Traumpartner am ehesten anlockt. Wirklich zu kritisieren also ist nur, dass das Buch viel zu schmal geraten ist.
FAZIT: Stillt garantiert Bilderdurst und Wissenhunger
Christian Ankowitsch Dr. Ankowitschs Illustriertes Hausbuch Zahlreiche Illustriert und 12 Farbtafeln von Chrigel Farner. Illustriert von Chrigel Farner. Eichborn Verlag, Oktober 2006 192 Seiten, EUR 19,95 ISBN 3821849606