Inspektor Gunnarstrada und Kollege Frölich ermitteln auf den Straßen von Oslo. Opfer ist eine junge Frau, die brutal erstochen in ihrer Wohnung aufgefunden wird. Der erste Verdächtige wird bald festgenommen, doch unter der Oberfläche brodelt es weiter. Schon allein der Arbeitsplatz der Toten stellt sich als Wespennest heraus.
Reidun, Angestellte in der kleinen Computerfirma Software Partners, ist allein stehend, jung und lebenslustig. Nach einer heißen Liebesnacht wird sie mit neun Messerstichen in die Brust getötet. Neben dem Freund und dem Nachbarn, einem widerlichen alten Spanner, konzentriert sich die Ermittlungsarbeit der Kommissare Gunnarstrada und Frölich vor allem auf den Arbeitsplatz der Toten.
Anzeige Ungewöhnlich ist, dass niemand die Tote so recht zu kennen schien. Die Frauen standen ihr eher kritisch gegenüber, während sie für die Männer ein Traum war, der jeden – vom Chef bis zum Verkäufer – zum Schwärmen brachte. Doch wie unerreichbar diese Frau ohne Eigenschaften wirklich war, das ist nur eine der Fragen, die die beiden Polizisten auf dem Weg zur Wahrheit beantworten müssen.
Eine junge Frau, eines morgens tot ist, eine ganze Handvoll Verdächtiger, ebenso viele Motive – die Zutaten sind klassisch-englisch, die Ausführung in ihrer spröde-distanzierten Art erscheint hingegen typisch nordisch. Letztes ist kein Wunder, denn immerhin stammt Autor Kjell Ola Dahl aus Norwegen und sein Roman spielt sich in den Straßen von Oslo ab.
Doch die Straßen von Oslo sind ein düsterer Ort. Nicht nur das Verbrechen lauert hier in Gestalt eines grausamen Frauenmörders, auch die Menschen sind – so jedenfalls erscheint es während der Lektüre – nicht von der angenehmsten Sorte. Schon auf den ersten Seiten fällt die latente, immer wieder ausbrechende Aggression auf, mit der nicht nur Gunnarstranda seiner Ermittlungsarbeit nachgeht.
Doch nicht nur auf die Täter und Tatverdächtigen fällt dieser Schatten des Hässlichen, jeder in Kjell Ola Dahls Universum scheint davon befallen. Gunnarstranda selbst ist ein kleiner, hässlicher Witwer, die Männer sind labil oder protzig, die Frauen haben große Brüste oder sind eifernde Spießerinnen. Einzig Reiduns beste Freundin bringt einen schmalen Lichtstreifen in dieses menschliche Dunkel.
Was in kleineren Dosen durchaus düster und melancholisch wirken könnte, erscheint in dieser Häufung auf Dauer aufgesetzt. Natürlich geht es bei einem Krimi nicht darum, ein Werbeprospekt für ein Land zu entwerfen, doch irgendwann erscheint auch das größte Dunkel nicht mehr erschreckend sondern vielmehr vorhersehbar. Hier hätte der Autor gut daran getan, etwas mehr Abwechslungsreichtum walten zu lassen und statt dem einzelnen Detail mehr Aufmerksamkeit auf eine weniger konventionelle Handlung zu verwenden.
Fazit: Norwegischer Krimi mit zu viel Liebe zum deprimierenden Detail