Traditionell wird in fiktionaler Literatur auch Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Strömungen genommen. Auch Ian Rankin trägt dieser in seinem neuesten Werk Rechnung und thematisiert Fremdenhass, Menschenschmuggel und die Machtlosigkeit des Establishments gegenüber einer verfehlten Immigrationspolitik. Doch ist er Kriminalschriftsteller und so spielen Mord, Mobbing, Sadismus, Vergewaltigung, Prostitution, mysteriöse Leichenfunde, Neonazis, sensationslüsterne Boulevardpresse und korrupte Beamte weitere Rollen in „So soll er sterben“. Gelingt die Synthese? Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Nein!
Der 15. Roman um Detektive Rebus
Vergleichsweise harmlos beginnt dieser Fall: ein illegaler Einwanderer wird ermordet in einer Trabantenstadt, einem sozialen Brennpunkt Edinburghs, aufgefunden. Kommissar Rebus übernimmt die Ermittlungen doch halt, gleichzeitig wenden sich die Eltern eines verschwundenen Mädchens an die Polizei. Besonders brisant: bereits einmal war diese Familie Opfer eines grausamen Verbrechens. Wird sich diese Tragödie wiederholen? Noch bevor diese Frage geklärt werden kann wird der Hörer schon vom nächsten Ereignis eingeholt: ein mysteriöser Skelettfund gibt Rätsel auf doch bevor sich der Hörer mit diesem neuen Fall anfreunden kann erfährt man, dass der ehemalige Peiniger der oben genannten Familie just jetzt aus dem Gefängnis entlassen wurde. Au weia! Will man sich gerade von diesem Schock erholen erfolgt die nächste Adrenalinspritze: skrupellose Menschenhändler haben ihre schmutzigen Hände im Spiel. Das Zentrum dieser Machenschaften befindet sich im „Schamdreieck“, einem berüchtigten Rotlichtdistrikt.
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Klingt doch alles sehr spannend nicht wahr – ist es aber nicht. Zu viele Figuren, zu häufig wechseln die Schauplätze, zu flach die Dialoge, zu nervig das ständige Genöhle des Kommissars Rebus, zu groß das Herz seiner Assistentin, nein nicht Harry, sondern Siobhan und vor allen Dingen viel zu viele Handlungsstränge.
Diese Hörbuchfassung ist unfassbar.
Den Zweck eines mobilen Unterhaltungsmediums erfüllt dieses Hörbuch nur unzureichend. Dies liegt teilweise an den teils fremdartigen Nachnamen der Protagonisten, die im Laufe des Vortrages auch noch verschiedentlich klingen. Hier wäre eine kurze Namens- und Ortsliste als Zugabe zum Hörbuch ideal gewesen. Zum zweiten verliert man durch die anfangs häufigen Orts- und Personenwechsel schon mal den roten Faden, wenn der Geräuschpegel der Umwelt den der Kopfhörer übersteigt. Obwohl einige Verlage bereits auf die für den Transport in Bus und Bahn wesentlich komfortableren Schmuck- oder Pappboxen umgestiegen sind, wird diese Ausgabe noch im Juwel-Case ausgeliefert.
Fazit: Weniger wäre mehr. Misslungener Versuch, eine allenfalls durchschnittliche Story durch Aufpfropfen sozialkritischer Elemente zu einem Gassenfeger zu machen. Auch der eher unsympathische Kommissar lädt nicht zum Verweilen ein, so dass dieser Roman nur echten "Rebus-Fans" empfohlen werden kann.
Ian Rankin So soll er sterben übersetzt von Claus Varrelmann, Heike Steffen
gesprochen von Udo Wachtveitl
Verlag Random House Audio, 2005
ca. 450 Minuten, 6 CDs, EUR 29,95
ISBN 3866040032