Fünf Frauen sind tot, drei weitere stehen auf der Liste der "Eule". Das zwanzigjährige Klassentreffen ist die perfekte Gelegenheit für den wahnsinnigen Mörder, alte Rechnungen zu begleichen und endlich Rache zu nehmen für die Verletzungen, die eine Horde gedankenloser Mädchen ihm einst zugefügt hat.
Zwanzig Jahre nachdem sie die Schule beendet haben, sollen einige Mitglieder der Abschlussklasse für ihre herausragenden Leistungen geehrt werden. Eine Schauspielerin, ein Produzent, eine Geschichtswissenschaftlerin, ein Broadway-Autor und ein Immobilienhai - gemeinsam haben sie vor allem, dass sie alle zu Schulzeiten tief unglückliche verunsicherte Teenager waren. Doch die Verletzungen scheinen verheilt - nur einer von ihnen kommt nicht los von der Vergangenheit. Unter der Maske der Eule nimmt er Rache an seinen ehemaligen Peinigern.
Anzeige Während die "Eule" mordet, sieht sich die Historikerin Jean mit einer anderen Herausforderung konfrontiert. Sie sucht die Spuren ihrer Tochter, die sie vor neunzehn Jahren schweren Herzens zur Adoption freigab. Bald muss sie erkennen, dass auch das Mädchen auf der Liste des Killers steht. Zusammen mit dem kurz vor der Pension stehenden Kommissar Sam Deegan, den ein alter Mordfall umtreibt, und dem übereifrigen Schulreporter Jake beginnt sie einen verzweifelten Kampf gegen die Zeit.
Altmeisterin Mary Higgins Clark ist ihrem Publikum längst als routinierte Spannungsautorin bekannt. Auch mit ihrem neuesten Roman erfüllt sie die Erwartungen in vollem Maße. Es gelingt ihr, die verschiedenen Handlungsstränge souverän zu führen und zu einem logischen Ganzen zu verknüpfen. Sie greift dabei auf einen beinahe altmodischen Aufbau zurück. Von Anfang an steht das Mordopfer fest, während der Täter nur aus einer eingeschränkten Gruppe Verdächtiger kommen kann. Das fröhliche Mörderraten kann beginnen, denn alle möglichen Täter haben sowohl Gelegenheit als auch Motiv.
Gleichzeitig liegt darin auch der Schwachpunkt des Romans, denn letzten Endes ist es gleichgültig, wer der Mörder ist, hinzukommt, dass die Auflösung künstlich herausgezögert scheint. Zwar legt die Autorin bewusst Spuren, falsche wie richtige, aber eine eindeutige Hinführung auf den Täter gibt es nicht. Sam fasst es selber in Worte: "An ihn hätte ich am wenigsten gedacht." Doch letzten Endes tut das der Spannung keinen Abbruch, und der Reiz des Romans liegt in dem rasanten Tempo und der bewährten Frage: Wer war es denn nun eigentlich?
Fazit: Temporeiche Mörderjagd nach bewährtem Muster
Mary Higgins Clark Mein ist die Stunde der Nacht (OriginaltitelNighttime is my time) Übersetzt von Andreas Gressmann
Heyne
431 Seiten, gebunden, EUR 21,00
ISBN 3-453-00043-9