Nanolino stockt schier der Atem: sein bester Freund Frido windet sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden der Turnhalle. Beim Sturz vom Seil muss er sich etwas gebrochen haben. Doch schon sind sein Lehrer Mister Schlau und seine anderen Freunde bei ihm, stehen jedoch etwas hilflos und unsicher herum; und das will schon etwas heißen, wenn ein Lehrer Mister Schlau heißt, weil er nie etwas vergisst.
Doch diesmal ist es der vorwitzige Nanolino, der schlauer als Mister Schlau ist und weiß, wie seinem Freund geholfen werden kann: seine Großmutter, eine Art Kräuterhexe, hat ihm einmal geraten, Verletzungen mit Eis zu kühlen und das verletzte Glied hoch zu lagern – und dies sagt er dann auch. Rasch bringt der Hallenwart einen riesigen Beutel mit Eiswürfeln herbei, den er aus seinem Kühlschrank entnimmt. dieser lagert vermutlich deshalb dort, weil der Hallenwart im Nebenberuf Barkeeper in einer Cocktailbar ist und Unmengen davon braucht. Gesagt – getan und ab geht es zu Dr. X, dem örtlichen Radiologen. Natürlich ist dessen richtiger Name nicht „X“ sondern ein unaussprechlicher asiatischer. Doch da dieser mit „X“ anfängt, zumindest das weiß man mit Sicherheit, und Röntgenstrahlen auf englisch „X-Ray“ heißen, ist dieser Spitzname für einen Radiologen in einem Kinderbuch so nahe liegend, dass man sich wundert, dass bisher noch kein anderer Kinderbuchautor auf diese gleichzeitig einfache wie geniale Idee gekommen ist.
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So beginnt Dietrich Grönemeyers Kinderbuch „Der kleine Medicus“, einer fesselnden Mischung aus Medizin- und Herkunftslexikons, Science-Fiction und Kriminalroman für Kinder ab 8 Jahren. Neben Nano(lino) spielen seine Freunde eine mehr oder große Rolle. Neben Frido, dem besten (Jugend)Torwart seit Menschengedenken, ist da zunächst der Kubaner Manuel, ein begnadeter Gitarrenspieler. Das einzige Mädchen der Viererbande heißt Elisa und hat sowohl afrikanische als auch europäische Vorfahren. Eigentlich ist sie die beste Freundin von Manuel, zu dessen Musik sie so anmutig und begeistert tanzt, als läge ihr Musik und Rhythmus im Blut. Doch liegt das Hauptanliegen von Dietrich Grönemeyer berufsbedingt mehr auf der Vermittlung des von ihm propagierten ganzheitlichen Behandlungskonzeptes. So erfahren wir von Naturheilverfahren, Organsystemem, Körperkreisläufen, medizinischen Fachbegriffen nebst ihrer etymologischen Herkunft und Entwicklung. Beispielsweise der in den deutschen Sprachgebrauch übergegangene Begriff „Tomographie“, der sich aus „Schnitt“ und „schreiben“ zusammensetzt.
Herr Blocksberg
Ulrich Noethen ist der Sprecher dieses Kinderhörbuches und er macht seinem Ruf als ausgezeichneter Rezitator wieder einmal alle Ehre. Witzig seine Akzente, denen er den einzelnen Protagonisten zuteilt, spannend seine geheimnisvolle Ausstrahlung während der Krimihandlung und sachlich, aber nicht knochentrocken-nüchtern, sein Tonfall bei den wichtigen, kindgerechten Erklärungen der medizinischen Zusammenhänge, Fachbegriffe usw. Durch diese Mischung garantiert Ulrich Noethen, dass seine kleinen und größeren Zuhörer wie gebannt seiner Erzählung lauschen und es gar nicht abwarten können, weiterzuhören. Und dass wie nebenbei auf interessante und eingängige Weise medizinisches Grundwissen von Feinstem vermittelt wird, dafür garantiert der Autor Dietrich Grönemeyer. Bekanntermaßen ist er nicht nur eine medizinische Kapazität von Weltrang, sondern verfügt auch über eine bemerkenswerte künstlerische Ader sowie die Fähigkeit und Popularität, dies zum Nutzen und Frommen Anderer einsetzen zu können.
Dietrich Grönemeyer Der kleine Medicus Vorgelesen von Ulrich Noethen
Empfohlen ab 8 Jahre
Gekürzte Lesung
4 CDs , Laufzeit ca. 290 Minuten
EUR 19,99
Hoerverlag, Mai 2006
ISBN 3899408497