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Rosenrot PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Wolfgang Haan, am 07-08-2006 00:00
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Favoriten 28

Rosenrothoer.jpgDer perfide Plan eines psychotischen Polizisten

Er sieht den dicklichen, schnauzbärtigen Polizisten schnaufend die Feuerleiter hochkommen. Eine Fluchtmöglichkeit gibt es nicht. Er hebt die Hände, zeigt, dass er unbewaffnet ist. Doch er weis so gut wie der Polizist, dass dies keine Rolle spielen wird. Seine Flucht, sein Leben wird hier zu Ende gehen. Der Polizist sieht die Diskette in der Hand des Flüchtigen und macht eine auffordernde Geste. Lächelnd wirft ihm dieser den Datenträger zu. Geschickt fängt der Polizist diesen auf und lächelt, fast bedauerlich, zurück. Dann schießt dieser einmal – mitten ins Herz. Dann legt er dem Toten seine Ersatzwaffe in die Hand und beschwört später, dass dieser zuerst geschossen hat.

Mit diesem Mord beginnt Arne Dahls neuer Roman „Rosenrot“. Doch was sind die Hintergründe für die Hinrichtung? Und welche Rolle spielt es, dass es sich bei dem Toten um einen afrikanischen Asylbewerber handelt? Handelt es sich um einen rassistischen Mord, ein Attentat, Polizeiwillkür?

Viele Fragen, die erst recht spät beantwortet werden. Bis dahin erwartet den Hörer eine brillante Lesung eines außergewöhnlich spannenden Skan-Krimis. Es handelt sich wiederum um eine Geschichte rund um die so genannte „A-Gruppe“. Diese ist eine Sondereinheit, die für Kriminalfälle internationaler Tragweite zuständig ist. Wie gewohnt stellt Arne Dahl ein Mitglied der Einheit besonders in den Mittelpunkt. Diesmal ist es Kommissarin Kerstin Holm. Was niemand, außer Paul Hjelm, weis: sie war mit Dag Lundmark, dem o.g. Polizisten, verlobt. Diese Verlobung wurde von ihr aufgelöst, nachdem Dag immer gewalttätiger, dominanter und zusätzlich noch alkoholabhängig wurde. Dag Lundmark hat diese Trennung nie verwunden. Doch auch Kerstin knabbert noch heute an dieser Beziehung – sie trägt immer noch Dags Verlobungsring.

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Ausgerechnet sie verlangt Dag als Gesprächspartnerin bei der internen Ermittlung. Paul Hjelm steht ihr bei der Vernehmung zur Seite. Makabres Detail: beide sind Anwärter auf einen leitenden Posten bei der „Abteilung für innere Ermittlungen“ und ihr potentieller neuer Chef freut sich, die Beiden schon mal testweise „in Aktion“ zu sehen.

In die spannende Geschichte bettet Arne Dahl kritische Anmerkungen zur Ausländerpolitik, religiöse Verstiegenheit und Profitdenken der Pharmakonzerne. Besonders deren Politik gegenüber den Aidskranken in Afrika prangert er an und ist damit in bester Gesellschaft: zufälligerweise hat auch Henning Mankell in seinem 2006 erschienenen Roman „Kennedys Hirn“ diese Missstände angeprangert.

Lächerliche Lappalien trüben den literarischen Leckerbissen

Trotz aller literarischen Brillanz gibt es den einen oder anderen Wermutstropfen. Zum einen sind dies völlig kitschige Satzgebilde, die man auf zwei Arten interpretieren kann: zum einen als ironische Anspielung auf die Unfähigkeit anderer Autoren oder als literarischen Ausrutscher von Arne Dahl. Die anderen beziehen sich samt und sonders auf die psychischen Erkrankungen, die im Roman eine wichtige Rolle spielen.

Kerstin Holm leidet unter einer Amnesie, ausgelöst durch ein schwerwiegendes emotionales Trauma. Leider hat der Autor die Chance verpasst, dem sehr guten, aber irgendwie doch standardisiertem Thriller, eine ausgezeichnete psychologische Studie einer traumatisierten Mutter hinzuzufügen, die plötzlich mit der Vergangenheit konfrontiert wird.

Stattdessen wählt er folgende Variante: Kerstin Holm stürmt eine Wohnung, findet ein Photo und kotzt auf den Boden. Danach kommt Kerstin bis zum Klimax fast nur noch als Gesprächsthema vor. Viel interessanter wäre es doch gewesen, Kerstins „Erweckungserlebnis“ und nachfolgende fragmentarische Verarbeitung zu schildern.

Der im Roman auftretende obligatorische Serienkiller leidet unter Schizophrenie und sich abwechselnden manischen und depressiven Phasen. In seinen schlechten Phasen suchte er aus eigenem Antrieb die Psychiatrie auf. Beschrieben wird hier allenfalls eine bi-polare Störung mit Borderline-Syndrom-Tendenz, niemals jedoch Schizophrenie. Vielleicht ein Übersetzungsfehler? Gleiches gilt für den verwandten Terminus der „Raubkopien von Medikamenten“. Die korrekte Bezeichnung hierfür ist Nachahmerpräparat oder Generika. Auch hier stellt sich die Frage: schlechte Recherche oder Übersetzungsfehler?

Wieder liest Till Hagen den Roman von Arne Dahl mit gewohnter Souveränität. Egal ob witzig, getragen oder spannungsgeladen: er trifft jederzeit den richtigen Ton. Auch den verschiedenen Personen haucht er mit nuanciertem Vortrag individuelles Leben ein. Die Gewissensnöte von Kerstin Holm braucht er nicht speziell zu vertonen, da diese bedauerlicherweise im Roman nicht vorkommen, sondern allenfalls angerissen werden und sich im Kopf des Hörers herausbilden müssen. Es wäre interessant gewesen, hier Till Hagens Interpretation kennen zu lernen.

Fazit: Ein spannender, ruhig dahin fließender Skan-Krimi, der auf Grund seiner literarischen Qualitäten aus der großen Masse gleichartiger Publikationen heraus sticht. Die Qualität Till Hagens Vortrag entspricht der Qualität des Textes.

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Bibliographische Angaben

Arne Dahl
Rosenrot
Steinbach sprechende Bücher
gelesen von Till Hagen
6 CDs - ca. 480 Min. Laufzeit, 24,90 Euro
ISBN: 3-88698-820-1

 

 

 


Letztes Update: 22-03-2007 16:24

Veröffentlicht in : Hörbuch, Krimi / Thriller
Schlüsselworte : skan-krimi, skan-thriller, serienmörder, südafrika, aids, skandinavien, dahl, rosenrot
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