Afra ist keine gewöhnliche Magd, sie ist die Hüterin eines Geheimnisses, das ihr Vater ihr vor langer Zeit anvertraut hat. Ein Pergament, auf das sie sich in höchster Not berufen soll, fällt ihr ein, als sie der Hexerei angeklagt wird. Doch statt Rettung zu bringen, scheint es Afra nur noch tiefer ins Verderben zu verstricken.
Als Afra von ihrem Gutsherrn vergewaltigt wird, bleibt ihr kein anderer Ausweg, als ihr Kind heimlich zur Welt zu bringen und auszusetzen. Wenig später flieht sie vor ihrem despotischen Gebieter. Eine abenteuerliche Flucht führt sie erst ins Kloster und schließlich nach Regensburg, wo sie den störrischen Dombaumeister Ulrich von Ensingen kennen und lieben lernt. Leider ist Ulrich verheiratet. Doch selbst als seine Frau stirbt, ist den beiden kein Glück beschieden. Afra droht ein Prozess wegen Hexerei.
In ihrer höchsten Not erinnert sie sich an ein Pergament, das ihr Vater ihr einst vermacht hat. Der gelehrte Bibliothekar versprach ihr, dass es sie aus Gefahr erretten würde. Doch zunächst scheint sich die Gefahr nur zu verdichten. Ein Geheimbund, der sich „Loge der Abtrünnigen“ nennt, ist ihr auf den Fersen. Sie flieht, auch vor Ulrich, dem sie unter diesen Umständen nicht mehr traut. Eine abenteuerliche Reise beginnt, die sie bis in vor die Füße des Heiligen Vaters führt.
Philipp Vandenberg, Verfasser zahlreicher Romane, die den Leser in das Umfeld haarsträubender Kirchenverschwörungen entführt, bleibt sich auch mit diesem Roman um ein geheimnisvolles Pergament in den Händen einer schönen, starken Frau treu. Durch Afras Augen erlebt der moderne Leser die mittelalterliche Welt mit ihren Glaubensverstrickungen, ihren Hinrichtungen und ihrem Aberglauben.
Dass der Roman trotz seiner Vielfalt einen leicht banalen Nachgeschmack hat, liegt möglicherweise daran, dass der Autor zu viel in seine Geschichte packt, was letzten Endes dazu führt, dass vieles aufgesetzt wirkt. Da sind zum Beispiel die Hinrichtung einer Hure und die feministischen Gedanken, die dies bei Afra auslöst, Gedanken, die zwar in die heutige Zeit passen, aber mit dem damaligen Lebensgefühl eher wenig zu tun haben. Noch deutlicher wird dieses Problem bei Afras unerwartetem Ausflug ins Lesbendasein.
Hinzu kommt dass die Charakterisierung der Figuren – ohnehin nicht Vandenbergs Stärke – nicht mehr als die Oberfläche kratzt. Die Liebe zwischen Afra und Ulrich, die viel versprechend beginnt, verflacht zusehends, und der einsetzende Spannungsbogen kann aus oben genannten Gründen nicht wirklich überzeugen. Da hilft auch das Einbeziehen historischer Figuren, allen voran den als Ketzer verbrannten Hus nichts mehr. Zu wenig konsequent, und vor allem zu wenig logisch wird die Auflösung vorangetrieben.
Fazit: Eine neue Verschwörung von Altmeister Vandenberg – im Mittelalter nichts Neues
Philipp Vandenberg Das vergessene Pergament Edition Lübbe
512 Seiten, EUR 19,90
ISBN 3-7857-2224-9